Düsseldorf, 19. September 2025 – Ein mit Spannung erwarteter Deutscher Apothekertag 2025 (DAT25) in Düsseldorf liegt hinter uns.
Mehr als 300 Delegierte der 17 Apothekerkammern und 17 Apothekerverbände waren vor Ort, um gemeinsam über die Zukunft des Berufsstands und der Apotheken in Deutschland zu beraten, mit einem klaren Appell an die Politik: Es braucht JETZT Maßnahmen, um die flächendeckende Arzneimittelversorgung und die wohnortnahe Patientenbetreuung in Deutschland zu sichern.
Zunächst gilt jedoch ein großer Dank, allen Kolleginnen und Kollegen, die Teil unserer hessischen Delegation beim DAT25 waren. Wir sind einheitlich, abgestimmt und geschlossen aufgetreten und haben dabei trotz durchwachsener Inhalte stets die gute Stimmung innerhalb unserer Gruppe bewahrt. Vor allem das konstruktiv streitbare, kollegiale, persönliche Einbringen vor Ort im Plenum in die Diskussion der Hauptversammlung der deutschen Apothekerschaft ermöglicht Veränderungen und das Voranbringen unseres Berufsstandes. Auch im Rahmen unseres „Hessenabends“ gab es weiter viel Raum für weitergehende Diskussionen. Besonders gefreut hat uns die Teilnahme dreier Kolleginnen und Kollegen aus dem Kreis des Hessischen Apothekerverbandes. „Schön, dass Sie dabei waren!“.
Wir haben es als positives Signal und Wertschätzung wahrgenommen, dass Frau Bundesgesundheitsministerin Nina Warken persönlich vor Ort war. Sie hat sich mehrere Stunden Zeit für die Messe und den Deutschen Apothekertag genommen. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall. Frau Warken hat wesentliche Eckpunkte ihrer Reformpläne vorgestellt, wobei wir nicht ganz unerwartet durch die fehlende, zeitlich konkrete Zusage für eine Honorarerhöhung enttäuscht wurden. Darüber hinaus hat uns alle überrascht, dass die ursprünglich Lauterbachschen Pläne der PTA-Vertretung nun erneut thematisiert werden. Wir wünschen uns eine Stärkung des PTA-Berufs und sehen die PTAs in einer wichtigen Rolle für die Apotheken. Eine Vertretung durch PTAs auch nur stundenweise lehnen wir jedoch entschieden ab. Der Beruf der Apothekerin und des Apothekers ist ein akademischer Heilberuf und das muss er auch bleiben, um den zunehmend steigenden - vor allem pharmazeutischen - Anforderungen gerecht zu werden.
Frau Warken hat weiterhin eine für uns positive Auflösung des Skontoverbotes, Erleichterung in der Zusammenarbeit innerhalb eines Filialverbundes, eine jährliche Anpassung der Vergütung durch Verhandlungen mit dem Spitzenverband der Krankenkassen auf Basis von politisch festgelegten strengen Leitplanken, sowie strengere Regeln für den Versandhandel angekündigt, die wir allesamt positiv vernommen haben.
- Aus unserer Sicht fasst die in Düsseldorf vom DAT25 verabschiedete Resolution alles sehr gut zusammen: Resolution: Apothekerschaft erwartet zügige Umsetzung des Koalitionsvertrages
Wir werden alles uns Mögliche tun und den ABDA-Vorstand dabei unterstützen, um die von Frau Warken angekündigte „Wiedervorlage“ der Honorarerhöhung schnellstmöglich zu erwirken oder zumindest verbindlich zu terminieren. Dies entbindet uns und alle Kolleginnen und Kollegen jedoch nicht von der Verantwortung, auch persönlich das Gespräch mit Politikerinnen und Politikern aus Bund, Ländern und Kommunen zu suchen und überall mit Verweis auf den gültigen Koalitionsvertrag die unverzichtbare Honorarerhöhung einzufordern. Ebenso ist es notwendig, den PTA-Beruf sinnvoll und im Interesse sowohl der Apotheken als auch der PTAs weiterzuentwickeln – ohne dabei die klare Abgrenzung zum akademischen Heilberuf zu verlieren.
Im Zuge der Apothekenreform zeichnet sich ab, dass wir erweiterte Kompetenzen und Möglichkeiten im Bereich des Impfens erhalten werden. Diese Entwicklung begrüßen wir ausdrücklich, auch wenn erwartungsgemäß kritische Stimmen aus der Ärzteschaft laut werden. Wir stehen hinter diesen Forderungen und sehen die neuen Aufgaben als Chance für unsere Apotheken. Entscheidend ist dabei jedoch der interdisziplinäre Schulterschluss: Für uns zählt ein vertrauensvolles Miteinander mit den Ärztinnen und Ärzten – nicht ein Gegeneinander. Daher haben wir bereits das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen der Landesärztekammer Hessen gesucht.
Ungeachtet dessen wurden im Rahmen der Hauptversammlung eine Vielzahl von Anträgen aus der Apothekerschaft - darunter auch unsere - diskutiert, abgestimmt und verworfen bzw. zur weiteren Beratung in Ausschüsse verwiesen.
Nochmals zusammengefasst:
Der Apothekertag stand im Zeichen der Herausforderungen, mit denen wir in unserer täglichen Arbeit konfrontiert sind. Die Kernforderungen, die wir als Apothekerschaft geschlossen an die Politik gerichtet haben, umfassen:
Angemessene Honorierung: Die wirtschaftliche Stabilität unserer Apotheken ist gefährdet. Wir haben die Notwendigkeit einer fairen und auskömmlichen Vergütung unserer Leistungen, die den gestiegenen Kosten und dem wachsenden Aufwand Rechnung trägt, deutlich gemacht.
Bürokratieabbau: Die zunehmende Bürokratie belastet uns erheblich und bindet wertvolle Zeit, die wir lieber für die Patientenberatung einsetzen würden. Wir fordern Vereinfachungen bei Dokumentationspflichten und Genehmigungsverfahren.
Stärkung der Vor-Ort-Apotheke: Die wohnortnahe Versorgung muss gesichert werden. Wir haben uns für Maßnahmen zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken, wie die Begrenzung des Versandhandels und die Förderung pharmazeutischer Dienstleistungen, eingesetzt.
Erweiterte Kompetenzen: Apotheker sind bereit und in der Lage, mehr Verantwortung zu übernehmen, beispielsweise bei Impfungen, Medikationsanalysen und im Entlassmanagement.
Außerdem wurden zahlreiche Anträge aus den Mitgliedsorganisationen diskutiert.
Hier eine tabellarische Übersicht der aus Hessen gestellten Anträge mit Ausgang:
Antragstitel | Status |
|
| Ausdrückliches Verbot des privaten Weiterverkaufs von Arzneimitteln | Änderungsantrag angenommen | Sicherstellung der Versorgung durch öffentliche Apotheken |
| Einbeziehung von Apotheker*innen in interprofessionelle Behandlungsteams | Angenommen | Sicherstellung der Versorgung durch öffentliche Apotheken |
| Tätigkeitsbefugnis nach bestandenem Staatsexamen | Angenommen | Ausbildung und pharmazeutische Kompetenz |
| Deutschlandweite Fortbildungsplattform | In den Ausschuss verwiesen | Ausbildung und pharmazeutische Kompetenz |
Anwesenheitspflicht im Notdienst § 23 Absatz 3 ApBetrO | Abgelehnt | Allgemeine Rahmenbedingungen |
| Änderung des § 11 Absatz 2 ApBetrO – _Wegfall der verpflichtenden Identitätsprüfung bei zertifizierten Ausgangsstoffen | Abgelehnt | Allgemeine Rahmenbedingungen |
| Arzneimittelsicherheit im Versandhandel | Angenommen | Versandhandel |
Erhebung der Notdienstgebühr § 6 AMPreisV | Änderungsantrag angenommen | Honorierung |
| Befreiung der Apotheken vom Inkassorisiko des Herstellerrabatts gemäß § 130a SGB V | Angenommen | Honorierung |
| Abbau von Dokumentationspflichten durch den Einsatz des E-Rezepts | Abgelehnt | Bürokratieabbau |
| Praxisnahe Reduzierung der Genehmigungspflicht für Hilfsmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung | Angenommen | Bürokratieabbau |
| Rechtsverbindliche und nachvollziehbare E-Rezepte | Angenommen | Digitalisierung |
Sicherlich sind wir nicht mit weniger Aufgaben aus Düsseldorf nach Hause gefahren, als wir dorthin mitgenommen hatten. Allerdings war es kein schlechter DAT25. Wir haben wichtige Anträge und Themen diskutiert, beraten und auch als Apothekerschaft zu vielen Dingen Stellung bezogen.
Jetzt gilt es – leider weiterhin – für ein angemessenes Honorar und damit für die Zukunft der Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger selbstbewusst und breiter Brust einzustehen.
Lassen Sie uns trotz alledem zuversichtlich bleiben,
Ihr Kammervorstand