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Die nächste Delegiertenversammlung findet statt am

28. November 2016.

Beginn ist um 10 Uhr im Radisson Blu Hotel Frankfurt, Franklinstraße 65, 60486 Frankfurt am Main.

Die Anmeldung von Gästen ist erbeten unter der Rufnummer 069 979509-23.

LAK aktuell Ausgabe November 2016



Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen

Gemeinsam für das Gemeinwohl

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

gerade jetzt, nachdem der Europäische Gerichtshof sein Urteil gesprochen hat, ist für uns Apotheker eines von entscheidender Bedeutung: unser Zusammenhalt. Denn nur wenn jeder einzelne von uns in seinem Umfeld aktiv ist, können wir als Gemeinschaft eine spürbare und nachhaltige Schlagkraft entwickeln.

Wir Apotheker setzen nicht nur unser Fachwissen im Sinne der Patienten ein. Wir erfüllen in der niedergelassenen Apotheke auch alle Gemeinwohlpflichten – auch jene Pflichten, die nicht kostendeckend sind –, die mit unserem Berufsstand verbunden sind. Doch: Wir Apotheker sind keine Kapitalgesellschaft, als Einzelunternehmen haften wir mit allem, was wir haben.

Damit wir unsere Pflichten auch morgen noch erfüllen können, müssen wir uns jetzt auf allen Ebenen engagieren. Die Aushöhlung des bestehenden Gesundheitssystems, die durch das Urteil in Gang gesetzt wurde, geht alle etwas an!

Lassen Sie uns gemeinsam unsere Strukturen nutzen, lassen Sie uns gemeinsam tatkräftig gegen diese Schräglage im Gesundheitssystem vorgehen. Jeder zählt! Denn aus vielen einzelnen Aktivitäten entwickelt sich ein großes, gemeinsames und vor allem unübersehbares Bild!

Klären Sie Ihre Patienten über die Auswirkungen des Urteils auf und nutzen Sie dazu auch die Informationsmaterialien der ABDA und den Handzettel der Kammer. Denn Ihre Patienten sind es, die von einer gefährlichen Versorgungslücke bedroht sind, wenn es keine Apotheke vor Ort mehr gibt. Sensibilisieren Sie Ihre Patienten dafür, dass jetzt langfristig gedacht werden muss: Der Rabatt beim Versandhandel kann die fachliche Beratung durch den Apotheker vor Ort nicht ersetzen.

Wir – Ihre Kammer –  setzen unsere gebündelten Kräfte auf Landes- und Bundesebene für den Erhalt des bestehenden Systems ein. Wir nutzen unsere gewachsenen heilberuflichen Netzwerke und schließen uns mit wichtigen Bündnispartnern zusammen, um den Druck auf die Politik signifikant zu erhöhen.

Wir wollen im Schulterschluss erreichen, dass das bewährte System erhalten bleibt: Gleicher Preis für gleiche Leistung - das ist die Grundlage für unsere tägliche Arbeit. Das gilt für das Rx-Versandhandelsverbot ebenso wie für den Erhalt der einheitlichen Arzneimittelpreisverordnung in Deutschland!

Wir alle müssen jetzt aktiv bleiben und dürfen nicht nachlassen. Nur wenn wir dabei alle zusammenstehen, können wir unsere Ziele erreichen!

Ihre

Ursula Funke


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© ABDA

Begleitender Unterricht für Pharmazeuten im Praktikum 2017

Die Begleitenden Unterrichtsveranstaltungen nach § 4 Abs. 4 der Approbationsordnung für Apotheker finden ganztags statt. Teilnahmevoraussetzung ist der bestandene zweite Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung.

Termin Teil 1:
6. bis 17. März 2017

Veranstaltungsort:
Biozentrum Niederursel
Hörsaal B 1, Gebäude N 100
Max-von-Laue-Str. 9
60438 Frankfurt am Main

Die Anmeldung zu den Begleitenden Unterrichtsveranstaltungen erfolgt online unter: >> www.apothekerkammer.de und muss nachfolgende Daten enthalten: Name, Vorname, Privatanschrift, der zu absolvierende Teil.

Die Pharmazeuten im Praktikum erhalten nach der Anmeldung eine Anmeldebestätigung und weitere Informationen von der Geschäftsstelle. Der Stundenplan steht kurz vor den Veranstaltungen auf der >> Homepage der Landesapothekerkammer Hessen.



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© Foto: EsHanFot/shutterstock.com

Weiterbildung: Neues Seminar in Hessen

Ab nächstem Jahr bietet die Landesapothekerkammer Hessen ein neues Seminar für die Weiterbildung „Allgemeinpharmazie“ an.

Pharmazeutische Betreuung von Patienten mit Infektionskrankheiten (Modul A.1.7)

Seminarinhalte:

  • Häufige Anwendungsgebiete der Antiinfektiva
  • Erreger von Infektionskrankheiten
  • Grundsätze der Antiinfektiva-Therapie
  • Bakterielle Infektionen
  • Infektionen im Kindesalter
  • Virale Infektionen
  • Fallbeispiele
  • Impfungen

Das Seminar findet am 24.09.2017 in Eschborn statt. Die Anmeldung ist ab sofort unter >> www.apothekerkammer.de möglich.

Ihre Ansprechpartnerin in der Landesapothekerkammer Hessen:
Johanna Hauser
Kuhwaldstraße 46, 60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069 979509-24
E-Mail: j.hauser@apothekerkammer.de



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© Foto: C.K.Ma/shutterstock.com

Prüfungstermine für die Weiterbildung 2017 in Hessen

Die Landesapothekerkammer Hessen gibt die Prüfungstermine 2017 mit jeweiligem Anmeldeschluss für folgende Weiterbildungsgebiete und –bereiche bekannt:

Gebiet/Bereich

Termin

Anmeldeschluss

Allgemeinpharmazie

21.03.2017

10.01.2017

Klinische Pharmazie

25.04.2017

14.02.2017

Arzneimittelinformation

09.05.2017

14.03.2017

Onkologische Pharmazie

23.05.2017

28.03.2017

Homöopathie und Naturheilverfahren

30.05.2017

04.04.2017

Pharmazeutische Analytik

20.06.2017

25.04.2017

Pharmazeutische Technologie

27.06.2017

02.05.2017

Onkologische Pharmazie

05.09.2017

11.07.2017

Homöopathie und Naturheilverfahren

12.09.2017

18.07.2017

Arzneimittelinformation

26.09.2017

01.08.2017

Allgemeinpharmazie

07.11.2017

29.08.2017

Klinische Pharmazie

14.11.2017

05.09.2017

                                           
Infektiologie: Die Prüfungstermine werden noch auf der  >> Homepage  der Landesapothekerkammer Hessen bekannt gegeben.

Falls sich für einen Prüfungstag mehr Prüfungskandidaten anmelden als geprüft werden können, werden die Anmeldungen nach Posteingang berücksichtigt. In diesem Fall wird ein weiterer Termin angeboten.

Liegen bei Ablauf der Anmeldefrist noch nicht alle erforderlichen Unterlagen vor, können diese nachgereicht werden.



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© Foto ABDA

AMINO-Datenbank: Für Sie gefunden und aufbereitet

Thema: Opium-Tinktur

Frage:

Uns liegt ein BtM-Rezept über 40 g Opium-Tinktur vor. Was müssen wir bei der Abgabe beachten? Wie wird Opiumtinktur dosiert?

Kommentar:

Da es kein zugelassenes Fertigarzneimittel gibt, wird Opium-Tinktur als Ausgangsstoff (meist mit Analysenzertifikat) bezogen und in der Apotheke geprüft. Die Opium-Tinktur wird in ein geeignetes Abgabegefäß abgefüllt und muss als Rezepturarzneimittel gemäß § 14 ApBetrO gekennzeichnet werden. Für die Herstellung (in diesem Fall das Abfüllen) sind eine Herstellungsanweisung und ein Herstellungsprotokoll mit Plausibilitätsprüfung erforderlich. Parallel muss die BtM-Dokumentation erfolgen.

Die Höchstmenge für die Verordnung von Opium-Tinktur ist auf 40 000 mg festgesetzt. Wird für einen Patienten innerhalb von 30 Tagen mehr verschrieben, muss die Verordnung mit einem „A“ gekennzeichnet sein. Die Dosierung erfolgt individuell und ist abhängig von der Indikation. Nach Angaben im DAB 9 (1986) beträgt die größte Einzelgabe 1,5 g und die größte Tagesgabe 5,0 g Opium-Tinktur. Das DAC/NRF hat einen Rezepturhinweis zu „Opium zur Einnahme“ erstellt, in dem weitere Hinweise zur Dosierung und Verpackungen gegeben werden.

Quelle: AMINO-Datenbank

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Aktuell


Zur 95.Zentralen Fortbildung kamen rund 400 Apotheker nach Gießen, © Foto Landesapothekerkammer Hessen

Rückblick: 95. Zentrale Fortbildungsveranstaltung der Akademie für Pharmazeutische Fortbildung der Landesapothekerkammer Hessen am 12./13. November 2016

Gießen – Bei der 95. Zentralen Fortbildungsveranstaltung stand alles unter der Überschrift „Wenn Körper und Seele streiken – Psychische Erkrankungen“. Die wissenschaftlich hochwertige Veranstaltungsreihe war auch in diesem Herbst ausgezeichnet besucht. Erfahrene aber auch viele junge Apotheker nutzen die Chance, neueste Erkenntnisse über Therapien schizophrener Spektrumserkrankungen, von Depressionen, Angsterkrankungen und ADHS zu erlangen.

Gleicher Preis für gleiche Leistung


Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, © Foto Landesapothekerkammer Hessen
Bei der Begrüßung betonte Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, wie wichtig die Beratung und Hilfestellung für psychisch Erkrankte bei der Therapie vor Ort in der Apotheke ist. Die Präsidentin ließ es sich allerdings nicht nehmen, zunächst noch einmal auf den „Donnerschlag“ aus Luxemburg einzugehen. „Diese unsägliche EuGH-Entscheidung, die die geltende Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel als nicht verbindlich für ausländische Anbieter einstuft, kann nicht einfach hingenommen werden. Wir brauchen jetzt das Versandverbot.“ Die Mitglieder der Landesapothekerkammer Hessen können sicher sein, dass die Kammer alles erdenklich Mögliche auf Landes- und Bundesebene unternehme, um Politiker und Gesellschaft wachzurütteln. Unterstützung gebe es bereits von wissenschaftlichen Vereinigungen wie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Alle Apotheker seien gefordert, so Funke. „Wir müssen Patienten aufklären, Kontakt mit den Journalisten suchen, Politiker in die Apotheke einladen und die Vorteile unseres Systems verdeutlichen. Funke rief auch dazu auf, das Kampagnenmaterial der ABDA kontinuierlich zu nutzen und nicht nachzulassen: Im Dezember werde es eine Unterschriftenkampagne geben, großes Engagement sei gefragt, denn es zähle jede Stimme. Boni und Rabatte gehören dem Solidarsystem und nicht dem Einzelnen! Finanzielle Anreize führen nur zu Arzneimittelfehl- und -mehrgebrauch. „Wir wollen kein Gesundheitssystem, in dem es heute Discount auf den Tagessatz im Krankenhaus gibt und morgen das EKG zum Schnäppchenpreis.“ Ursula Funke forderte den Gesetzgeber auf, den Gesetzeszustand „Gleicher Preis für gleiche Leistung“ unverzüglich wieder herzustellen.

 

Moderation


Prof. Dr. Dieter Steinhilber, Sprecher der Akademie für Pharmazeutische Fortbildung, © Foto Landesapothekerkammer Hessen

Prof. Dr. Dieter Steinhilber, Sprecher der Akademie für Pharmazeutische Fortbildung, begrüßte die rund 400 Teilnehmer der Zentralen Fortbildungsveranstaltung ebenfalls und führte als Moderator durch beide Veranstaltungstage.

Moderne Pharmakotherapie bei schizophrenen Spektrumserkrankungen


Prof. Dr. med Sibylle Roll, Klinikdirektorin, Vitos Klinik Eichberg, Eltville, © Foto Landesapothekerkammer Hessen

Nach den Begrüßungsworten der Kammerpräsidentin lautete das erste Thema „Moderne Pharmakotherapie bei schizophrenen Spektrumserkrankungen“. Psychische Erkrankungen sind schwer zu erkennen und die Behandlung ist langwierig. Referentin war Psychiaterin und Clinical Assistant Professor der University of Florida, Prof. Dr. med Sibylle Roll, Klinikdirektorin der Vitos Klinik Eichberg. Ein Prozent aller Menschen weltweit erleiden mindestens einmal eine schizophrene Episode in ihrem Leben. In Deutschland gibt es 19 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und 5.600 neu diagnostizierte Erkrankungen jährlich. Bei den Erkrankten besteht eine 2,6-fach höhere Mortalität gegenüber der Allgemeinbevölkerung, die Lebenserwartung ist 10 bis 25 Jahre geringer. 50 Prozent erleiden innerhalb eines Jahres nach der ersten schizophrenen Episode einen Rückfall, 80 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Mit einer Erhaltungstherapie ist das Rezidivrisiko um ein Fünffaches niedriger. Zwei bis vier Prozent der Gesamtkosten für Gesundheitsleistungen in Deutschland werden für Schizophreniepatienten ausgegeben. Mit Rezidiv steigen die Kosten europaweit um ein Vierfaches. Doch leider nehmen von rund 50 Prozent der Patienten 30 Prozent ihrer Medikamente nicht ein. 50 bis 60 Prozent der ambulanten Patienten sind nicht adhärent, sogar bis zu 90 Prozent aller Patienten sind partiell nicht adhärent. Hier können Apotheker Großes leisten, indem sie über Wechselwirkungen aufklären und die Patienten beim Durchhalten der Therapie unterstützen, so Roll. Wichtig ist die Wahl des richtigen Medikaments. Atypika haben ein besseres Nutzen-Risiko-Profil als Typika. Die Wirkung setzt nach der ersten Woche ein. Doch auch Atypika haben Nebenwirkungen wie Hyperprolaktinämie, verstärkte Negativsymptomatik, tardive Dyskinesie. Die Nebenwirkungen können die Adhärenz der Patienten beeinträchtigen, speziell eine Gewichtszunahme, zudem variieren die Sicherheitsprofile der Atypika wie auch Typika beträchtlich. Deshalb ist eine Therapiebegleitung durch einen Apotheker äußerst wichtig, um die Adhärenz zu steigern. Im Gespräch mit dem Patienten können Medikamente ausgewählt werden, die dem Profil nach für den Patienten das geringste Übel bedeuten. Zur Rezidivprophylaxe, besseren Adhärenz und somit auch Lebensqualität können auch mit LAI (Long-acting injectable) Antipsychotika verabreicht werden. LAIs können das Risiko einer Rezidivs und damit einer Chronifizierung deutlich verhindern. Je nach Kinetik werden die Antipsychotika alle zwei bis fünf Wochen gespritzt. Patienten die bereits LAI Antipsychotika bekommen haben, präferieren diese Depotmedikation.

Pathophysiologie und Therapie von Depressionen


Prof. Dr. Kristina Friedland. Molekulare und Klinische Pharmazie, Dpt. Chemie und Pharmazie, FAU Erlangen-Nürnberg, Erlangen, © Foto Landesapothekerkammer Hessen

In dem zweiten Fachvortrag des Tages informierte Prof. Dr. Kristina Friedland von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Department Chemie und Pharmazie/Molekulare und Klinische Pharmazie, die Zuhörer über die Therapie von unipolaren Depressionen. 12 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer unipolaren Depression. Hauptsymptome sind die depressive Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, Verminderung des Antriebs und erhöhte Ermüdbarkeit. Bei Patienten in der Apotheke ist eine Depression schwer zu erkennen, da die Betroffenen unterschiedliche Symptome schildern. Bei anhaltender Schlaflosigkeit sollte der Apotheker den Patienten jedoch immer zur Abklärung an den Arzt verweisen. Zur Therapie ist eine Kombination aus Pharmakotherapie und Psychotherapie anzustreben. Bei der Pharmakotherapie ist mit einer Reihe von Nebenwirkungen zu rechnen. Bei Trizyklika kann es zu einer QT-Zeit-Verlängerung kommen. Hier sollte dem Patienten zu einem Vor- und Nachher-EKG geraten werden. Bei der Erstabgabe von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) sollte nach einer gastrointestinalen Blutung (GI-Blutung) sowie nach Störungen der Blutgerinnung und Thrombozytenfunktion in der Anamnese gefragt werden. Das Risiko für Blutungen  als pharmakodynamische Arzneimittelinteraktion steigt bei der Kombination von SSRI und ASS und besonders stark bei der Kombination von SSRI und NSAR. Das Blutungsrisiko kann mit der Gabe von Antazida bzw. Protonenpumpenhemmern deutlich reduziert werden, allerdings gilt dies nur für die oberen Darmabschnitte und den Magen. Bei Antidepressiva mit einer geringeren Serotoninwiederaufnahmehemmung wie Mirtazapin, Doxepin oder Buproprion kommen weniger häufig GI-Blutungen vor.

Eine seltene aber lebensbedrohliche Nebenwirkung bzw. Wechselwirkung von Pharmaka mit einer serotonergen Wirkkomponente ist das Serotoninsyndrom. Es tritt normalerweise innerhalb der ersten 24 Stunden auf. Hier muss die Wirkstoffkombination sofort abgesetzt werden. Symptome sind u. a.: Trias aus Fieber, neuromuskulären Symptomen, psychopathologische Auffälligkeit. Bei Komplikationen ist eine intensivmedizinische Versorgung notwendig.

Ein weiteres Problem bei der Therapie von Depressionen ist das verfrühte Absetzen der Medikamente. Bei einer erfolgreichen Therapie müssen die Medikamente sechs bis zwölf Monate genommen werden, erst dann bilden sich auch neue Synapsen und Vernetzungen im Gehirn (neuronale Plastizität). Bestehen nach Absetzen noch Restsymptome, liegt die Rückfallquote bei 75 Prozent. Eine Rezidivprophylaxe ist daher sehr sinnvoll. Sie kann mit dem Antidepressivum oder mit Lithium erfolgen. Bei der Lithium-Therapie sollte vorab die Nieren- und Schilddrüsenfunktion geprüft werden.

Wenn in der Augmentation ein Antidepressivum allein nicht ausreicht, kann es mit einem Atypikum (z.B. Quetiapin) kombiniert werden. Auch eine Antidepressiva-Kombination empfiehlt sich, gängig sind Venlafaxin plus Citalopram sowie Buproprion plus Citalopram.

Aktuell laufen Studien zur möglichen Therapie mit Ketamin. Dies wird gespritzt. Die Patienten sind innerhalb kürzester Zeit symptomlos. Es kann allerdings zu Abhängigkeit führen.

Kulturell geprägte Krankheitskonzepte und ihre Einflussfaktoren


Dr. med. Leyla Fröhlich-Güzelsoy, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, FAU Erlangen-Nürnberg, Erlangen, © Foto Landesapothekerkammer Hessen

Dr. med. Leyla Fröhlich-Güzelsoy vom Universitätsklinikum Erlangen, Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Geschichte und Ethik in der Medizin, berichtete über kulturell geprägte Krankheitskonzepte. Nach Fröhlich-Güzelsoy sind Krankheiten dem Zeitgeist unterworfen. Schon bei der Definition von Krankheit sind sich die Experten nicht einig. Auch bei der Wortbedeutung von Gesundheit ist man uneins, ob Gesundheit überhaupt ein medizinischer Terminus ist oder nicht doch ein überwiegend gesellschaftlicher Ausdruck. Beide Begriffe erhalten ihre Gewichtung und Auslegung in der unterschiedlichen Wahrnehmung der Symptome von Patient und Arzt (oder Apotheker Anm. der Redaktion). Abweichende Erwartungen an Ärzte und Pflegepersonal spielen eine Rolle. Die unterschiedliche Rollenwahrnehmung löst beim Patienten Misstrauen und Angst aus. Schmerzexpression unterscheidet sich zum Beispiel sehr stark in unterschiedlichen Nationen. Bei der Beschreibung der Symptome werden volksmedizinische Erklärungsmuster, Mystik und religiöse Ansätze herangezogen. Wer diese Erklärungsmuster nicht kennt, ist verwirrt und im Verständnis seiner Diagnose beschränkt. Deshalb sollten kulturelle Kontexte in die medizinische Ausbildung integriert werden.

„Wnn die Bedeutg eins Worts uns ncht Frmd ist, erknnen wir was gmeint ist auch wenn etws fehlt“

Relevante Interaktionen in der Psychopharmakotherapie


Prof. Dr. Martina Hahn, Vitos Klinik Eichberg, Eltville, © Foto Landesapothekerkammer Hessen

Prof. Dr. Martina Hahn von der Vitos Klinik Eichberg führte am zweiten Tag die Reihe der Vortragenden an. Hahn beschäftigt sich seit Jahren mit Interaktionen in der Psychopharmakotherapie. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) werden bei den Psychopharmaka am häufigsten durch Stimmungsstabilisierer (30 Prozent) und Antipsychotika (Atypika 25 Prozent, Typika 25 Prozent) hervorgerufen. Davon sind 47 Prozent so schwer, dass eine Verlegung in andere Krankenhäuser erforderlich ist. Der Grund für die häufigen Interaktionen in der Psychopharmakotherapie liegt darin, dass Psychopharmaka einem exzessiven Metabolismus (z.B. durch CYP-Enzyme) unterliegen. Sie haben ferner breite Rezeptorprofile und sind zentralgängig. Zudem nehmen Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen häufig sehr viele Medikamente ein. Vermeidbare UAWs (20 Prozent) sind vor allem die Nebenwirkungen, die durch Arzneimittelinteraktionen und dadurch verursachte sub- oder hypertherapeutische Serumkonzentrationen hervorgerufen werden. In der Pharmakotherapie wurden 2,8 potentielle Interaktionen pro Patient detektiert. Nur zehn Wirkstoffe waren an 80 Prozent der Interaktionen beteiligt, hier kann sich ein Apotheker gut fokussieren. Erfreulich ist, dass in einer von Hahn vorgestellten Untersuchung von 2009 263 relevante Interaktionen auf 58 reduziert werden konnten durch eine pharmazeutische Beratung der Patienten. In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2013 war der Anteil an der Anzahl aller in der Studie aufgetretenen Interaktionen (n= 1093 Interaktionen) bei den Wirkstoffen Lorazepam (16 Prozent), Haloperidol (12 Prozent) und Olanzapin (10 Prozent) am höchsten. In ihrem Vortrag ging Hahn auch auf Interaktionen bei der Noradrenalinwiederaufnahmehemmung ein. Bei einer Kombination mit Antihypertensiva wird deren Wirksamkeit durch diese Kombination abgeschwächt. Hier ist eine regelmäßige Blutkontrolle ratsam. Eine Kombination mit Anticholinergika führt zu Mundtrockenheit, Harnverhalt und Tachykardie. Dopaminwiederaufnahmehemmer kombiniert mit Antipsychotika (gilt auch für Metoclopramid) führen zu einer gegenseitigen Wirkabschwächung. Bei der Kombination anticholinerger Substanzen sollte generell die anticholinerge Gesamtbelastung möglichst gering gehalten werden. Bei einem gleichzeitigen Einsatz z.B. von Donepezil plus Dimenhydrinat kommt es zur Wirkaufhebung des Antidementivums. Die Kombination mit Levodopa sollte gänzlich vermieden werden, da hier häufig Halluzinationen durch massive Erhöhung der Dopaminkonzentration auftreten. Zur weiteren Recherche empfahl Hahn die Website www.agingbraincare.org.

Viele Psychopharmaka wirken über Angriff an den Alpha1-Rezeptoren auf den Blutdruck. Bei Kombinationen mit Anithypertensiva ist daher eine Blutdruckkontrolle erforderlich. Gegebenenfalls muss die antihypertensive Therapie angepasst werden. Bei der Gabe von Antihistaminika kann es zu einer additiven Sedation kommen bei Kombination mit GABAergen, antihistaminergen, Alpha-Rezeptor-blockierenden und µ-Rezeptor-aktivierenden Substanzen. Auch eine additive Gewichtszunahme ist möglich z.B. bei Olanzapin plus Mirtazapin. Bei Antihistaminika ist besondere Vorsicht geboten, da diese als OTC-Schlafmittel in der Selbstmedikation zur Verfügung stehen. In der Apotheke sollte der Patient immer gefragt werden, wie lange die Kombination schon eingenommen wird, da die Interaktionen vor allem im Anfangsstadium der Therapie auftreten. Ist einer der beiden Interaktionspartner – Antihistaminikum oder Psychopharmakon -  neu verordnet, dürfen OTC-Schlafmittel nur sehr gering dosiert werden oder müssen pausiert werden. Grundsätzlich ist bei Kombinationen sedierender Wirkstoffe eine Kontrolle der Atemfrequenz zu empfehlen.

Angsterkrankungen – Differentialdiagnosen und Therapie


Prof. Dr. med Sibylle Roll, Vitos Klinik Eichberg, Eltville,© Foto Landesapothekerkammer Hessen

Um Angsterkrankungen ging es im zweiten Vortrag von Prof. Dr. med. Sibylle Roll, die kurzfristig für Dr. Friederike Vogel eingesprungen war. Angsterkrankungen gehören mit einer Lebenszeitprävalenz von ca. 15 Prozent in der Allgemeinbevölkerung zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Am häufigsten ist die spezifische Phobie mit 7,6 Prozent, gefolgt von der Agoraphobie und sozialen Phobie mit jeweils zwei Prozent. Es folgen die generalisierte Angststörung (GAS) mit 1,5 Prozent und die Panikstörung mit 1,1 Prozent. An Angsterkrankungen erkranken doppelt so viele Frauen wie Männer. Der Anteil der Alleinlebenden bei den Erkrankten ist besonders hoch, da ihnen im Alltag die Rückkoppelung und somit ein Korrektiv durch ein Gegenüber fehlt. Die Ersterkrankung bei Phobien erfolgt meist schon im Kindesalter, bei rund 90 Prozent bis zum 35. Lebensjahr. Bei Angsterkrankungen ist eine gute Differentialdiagnostik wichtig. Der Patient sollte auch körperlich untersucht werden, denn Patienten mit Angsterkrankungen weisen häufig somatische Begleiterkrankungen auf. Bevor mit Psychopharmaka behandelt wird, sollten somatische Erklärungen ausgeschlossen werden. Angsterkrankungen haben viele Ursachen wie genetische Disposition, Stressoren (z.B. Traumata, Alltagsbelastungen) und andere Trigger wie Drogen oder auch eine Schwangerschaft. Zur Behandlung von Angststörungen sind SSRI die erste Wahl. Ein Präparat mit wenigen Nebenwirkungen ist Sertralin. Lorazepam sei nicht zu empfehlen, da hier die Gefahr der Abhängigkeit generell größer ist.Trizyklika setzt Roll in der Therapie bei Angsterkrankten nicht ein.

Aktuelle Entwicklungen in der Pharmakotherapie von ADHS und deren Komorbitität. Welchen Stellenwert haben Non-Stimulanzien und OTC-Produkte?


Prof. Dr. med Michael Huss, Rheinhessen-Fachklinik Mainz, Abt. Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und –psychosomatik, Mainz, © Foto Landesapothekerkammer Hessen

Zum Abschluss der Zentralen Fortbildung ging Prof. Dr. med. Michael Huss von der Rheinhessen-Fachklinik Mainz, Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und –psychosomatik, auf die aktuellen Entwicklungen in der Behandlung von ADHS ein. Stimulanzien sind das Mittel der ersten Wahl. Es kommt aber während der Therapie zu Gewichts- und Wachstumsproblemen. Im Gegensatz dazu haben Non-Stimulantien deutlich mehr Nebenwirkungen, bieten aber Vorteile hinsichtlich ihrer stabilen Wirkung im Tagesverlauf. Auch haben hiermit behandelte Kinder keine Wachstumsprobleme. Der Blutdruck bleibt unter Therapie weitestgehend stabil. Bei der Gabe von Atomoxetin ist die Wirklatenz stark ausgeprägt, bei Guanfacin tritt die Wirkung innerhalb von 24 Stunden ein. Huss wies darauf hin, dass auch die bisherigen eingesetzten Wirkstoffe eine Rolle bei der Wahl der weiteren Therapie spielt. Wurde ein Patient schon einmal mit Stimulanzien behandelt, zeigte die Behandlung mit Atomoxetin kaum Effekte. Je mehr Stimulanzienerfahrung ein Patient gemacht hat, desto weniger wirke das Atomoxetin. Eine Kombination von Guanfacin und Stimulanzien brachte den Patienten allerdings einen Zugewinn. In den USA und Kanada ist diese Kombination bereits als eigenständige Zulassung verankert.

Machen in der Behandlung von ADHS auch OTC-Nahrungsergänzungsmittel Sinn? Ja, meint Huss. Mittlerweile gibt es zum Beispiel einige Studien zum Einsatz von Omega-3-Fettsäuren für die Behandlung von Kindern mit ADHS in schwächerer Ausprägung. Hier kann eine Kombination zur verordneten Therapie erwogen werden.

 

 



Aktuell




heilen & helfen - Schulterschluss nach dem EuGH-Urteil

In dem Bündnis heilen&helfen sind die hessischen Heilberufkörperschaften bereits im 7. Jahr gemeinsam tätig. Nach dem EuGH-Urteil fordert dieses Bündnis nun in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Abschaffung des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Die Meldung stellen wir Ihnen zum Download im pdf-Format zur Verfügung.

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Mit der Kammer fortbilden

Die Landesapothekerkammer Hessen unterstützt Sie kontinuierlich mit einem umfangreichen Fortbildungsprogramm. Das vielfältige Veranstaltungsangebot deckt alle relevanten Themen ab. Wir möchten Sie damit nicht nur in Ihrer täglichen Arbeit unterstützen, sondern auch eine erfolgreiche Basis für Ihre weitere Qualifzierung legen.

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LAK aktuell ist das amtliche Mitteilungsblatt der Landesapothekerkammer Hessen.
Herausgeber: Landesapothekerkammer Hessen, K.d.ö.R.

Chefredaktion: AzetPR

Ständige Mitarbeit: Ulrich Laut, Michael Aland, Annegret Birr, Daniela Pach, Birgit Wolfraum
Verantwortlich für namentlich gezeichnete Beiträge: die Verfasser

Redaktionsbeirat: Ursula Funke (Vorsitzende), Dr. Sebastian Barzen, Prof. Dr. Theodor Dingermann,
Dr. Reinhard Hoferichter, Dr. Cora Menkens, Dr. Otto Quintus Russe, Dr. Viola Schneider

Anschrift des Herausgebers:
Landesapothekerkammer Hessen
Kuhwaldstr. 46, 60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069 979509-0, Fax: 069 979509-22
E-Mail: info(at)apothekerkammer.de

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Erscheinungsort: Frankfurt am Main. Erscheinungsweise: monatlich. Für Mitglieder der Landesapothekerkammer Hessen ist der Bezug kostenfrei.

Druck, Kopien, Aufnahme in elektronische Medien (auch auszugsweise) für Nicht-Mitglieder nur mit schriftlicher Genehmigung. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos, etc. keine Gewähr. Die Redaktion behält sich die (sinngemäße) Kürzung von Leserzuschriften vor.


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Im Stellenmarkt der Landesapothekerkammer Hessen können Sie die aktuellen Stellenangebote und -gesuche finden. Unter der Rubrik Angebote und Gesuche können Sie nach aktuellen Stellenanzeigen suchen, aber auch eine Anzeige Online aufgeben. Bitte beachten Sie, dass Ihr Stellenangebot oder Stellengesuch erst durch uns kontrolliert und freigeschaltet werden muss und daher nicht sofort auf unserer Seite erscheint. Die Veröffentlichung Ihrer Stellenanzeige erfolgt für Sie kostenlos.

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