Unterschiede bei Zugang zu Heilmitteln können gerechtfertigt sein
10.03.2010
BERLIN – Die Bundesregierung vertritt die Auffassung, dass regionale Unterschiede im Zugang zu Heilmitteltherapien gerechtfertigt sein können. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen schreibt die Regierung, zu den regionalen Besonderheiten zählten unter anderen die Altersstruktur, die Geschlechterverteilung, die Arztdichte, der Fachärzteanteil und die Art und die Anzahl stationärer Einrichtungen.
Weiter heißt es, regionalen Besonderheiten könne am besten auf regionaler Ebene von den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen oder deren Landesverbänden Rechnung getragen werden. Die Grünen hatten unter Berufung auf den Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Dienstes der AOK dargelegt, dass etwa bei der Physiotherapie der Unterschied zwischen der Region mit der höchsten und der niedrigsten Behandlungszahl im Jahr 2008 das 3,21-Fache betragen habe.
Politik
Rösler will Arzneimittelkosten senken / Kritik von Union / Importquote könnte fallen
09.03.2010
BERLIN – Möglicherweise schon Mitte dieser Woche will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sein Konzept zur Eindämmung der Arzneimittelausgaben vorlegen. Ziel ist, den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) bei patentgeschützten Präparaten Einsparungen in einer Größenordnung von bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr zu verschaffen. Erreicht werden soll dies mit einem Mix aus kurz- und langfristigen Maßnahmen.
Demnach will Rösler die Einsparungen mit Hilfe eines Preismoratoriums und Zwangsrabatten erzielen. Daneben sei vorgesehen, bei der Markteinführung neuer Präparate Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Herstellern vorzuschreiben. Sollten diese scheitern, müsste das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine Kosten-Nutzen-Bewertung für das betreffende Medikament vornehmen. Wichtig für Apotheken: In dem vom Bundesgesundheitsministerium anvisierten Konzept ist angedacht, Steuerungsinstrumente wie die Importquote fallen zu lassen – oder zumindest zu vereinfachen. Gleiches gilt für die Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei den Ärzten.
Gegenwind bekam Rösler nicht nur von den forschenden Pharmaherstellern und der Opposition, sondern auch vom gesundheitspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU). Er bezeichnete Röslers Konzept bereits vorab als „unausgegoren“ und kündigte eigene Vorschläge seiner Fraktion an.
Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (VFA) kritisierte: „Marktwirtschaft durch Planwirtschaft geht nicht.“ Yzer weiter: „Wir wollen, dass Kassen und Firmen viel stärker durch Verträge Versorgung und Erstattung regeln können und die staatliche Kosten-Nutzen-Bewertung nur dann zum Tragen kommt, wenn solche Einigungen nicht innerhalb von zwei Jahren gelingen.“
BERLIN – Ankündigungen aus Koalitionskreisen, die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kurzfristig um eine Milliarde Euro zu senken sowie die Preisbildung im patentgeschützten Markt radikal umbauen zu wollen, haben zum Teil heftige Reaktionen in der pharmazeutischen Industrie ausgelöst.
„Die christlich-liberale Regierung betreibt eine Politik ohne Augenmaß: Hektische Reaktionen unter dem Druck der Antipharmalobby statt nachhaltiger Reformen des Gesundheitssystems“, reagiert Bernd Wegener, Vorsitzender des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), auf die öffentlich gewordenen Überlegungen. „Wieder wird undifferenziert so getan, als seien alle Pharmaunternehmen für die Finanzprobleme der GKV verantwortlich: Dabei kommen bei den Arzneimittelherstellern nach Abzug von Mehrwertsteuer und Aufschlägen für Großhandel und Apotheken gerade elf Prozent des GKV-Budgets an.“ Sparen bei der Pharmaindustrie – das lasse sich gut verkaufen, löse aber die Probleme nicht.
Wegener forderte nachhaltige strukturelle Reformen ein. Dazu habe sein Verband erst kürzlich ein Konzept vorgelegt. Das basiere auf Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Herstellern und stelle sicher, dass innovative Arzneimittel die Patienten nach der Zulassung sofort erreichten. Grundlage der Verhandlungen soll nach den Vorstellungen des BPI der Nutzen der Arzneimittel sein. „Wir fordern mehr Markt- und weniger Planwirtschaft im Gesundheitswesen“, so Wegener.
Auch wenn im generischen Sektor aktuell offenbar keine weiteren Sparrunden bevorstünden, gebe es trotz der immer wieder thematisierten „extremen Belastungen zum Beispiel durch die Rabattverträge“ für die Hersteller keine Lichtblicke. Denn von einer Abschaffung der Rabattverträge und einer Reform des Festbetragssystems sei keine Rede – „nachhaltige Politik im Gesundheitswesen am Standort Deutschland sieht anders aus“ ergänzte der BPI-Chef.
Telematik
Röslers eGK-Prioritätenliste: Datenschutz, Praxistauglichkeit und Nutzen
03.03.2010
HANNOVER – Die Bundesregierung hat die elektronische Gesundheitskarte (eGK) nicht gestoppt. Sie hat einzig „der Datensicherheit“ sowie „dem Nutzen“ und „der Praktikabilität für die Anwender“ absolute Priorität eingeräumt. Das Moratorium für die eGK habe sich im Wesentlichen auf Funktionen wie die elektronische Patientenakte bezogen. Das erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) anlässlich der Eröffnung der TeleHealth, der Leitmesse für eHealth-Anwendungen im Rahmen der CeBIT in Hannover.
Rösler betonte in diesem Zusammenhang, beim Aufbau der Telematikinfrastruktur auch weiterhin schrittweise vorgehen zu wollen. Bei der eGK „konzentrieren wir uns zunächst auf ein modernes Versichertenstammdatenmanagement und die Notfalldaten. Gleichzeitig werden wir den Wunsch der im Gesundheitswesen Tätigen nach einer sicheren Kommunikationsinfrastruktur schnellstmöglich umsetzen“. Der zurzeit in Nordrhein-Westfalen begonnene Basis-Rollout der eGK könne weitergeführt und, wie von der Selbstverwaltung beschlossen, ausgeweitet werden.
Personalie
Sanacorp: Lang folgt Renner
02.03.2010
PLANEGG – Die Sanacorp hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Der Aufsichtsrat berief Herbert Lang an die Spitze der nach eigenen Angaben mit mehr als 7.500 Mitgliedern größten Apothekergenossenschaft in Deutschland. Lang tritt sein neues Amt zum 1. Juli 2010 als Nachfolger von Manfred Renner an. Der stand insgesamt 27 Jahre in den Diensten der Genossenschaft. Darüber hinaus beschloss der Aufsichtsrat ebenfalls einstimmig, das Mandat von Apotheker Christoph Mauz als Vorstandsmitglied zu verlängern. Er ist seit 1994 in dieser Funktion für das Unternehmen tätig.
Krankenkassen
Rabattverträge: Taschenspielertricks machen Auswahlmöglichkeit zur Farce
01.03.2010
BERLIN – Apotheken
haben sich leidvoll daran gewöhnen müssen, dass die Umsetzung der
Arzneimittelrabattverträge mit erheblichem bürokratischen Mehraufwand verbunden
ist. Nun legte das BKK-Gemeinschaftsunternehmen spectrum|K noch die berühmte
„Schippe drauf“. In einem Fax forderte es die Apotheken auf, „vorrangig das
rabattierte Arzneimittel abzugeben, welches von dem wirtschaftlichsten Rabattvertragspartner
angeboten wird“. Peter Schmidt, Geschäftsführer des Branchenverbandes Pro
Generika, hat für diese Vorgehensweise nur einen Kommentar: „Letztlich macht
spectrum|K damit die Grundidee seiner eigenen Rabattverträge zur Farce!“
Das
BKK-Unternehmen hatte sich vor der Ausschreibung damit gerühmt, im Gegensatz
zur AOK pro Gebietslos und Wirkstoff Verträge mit vier Partnern abzuschließen.
Dadurch sei die Versorgungssicherheit gewährleistet und die Patienten könnten
mit ihren Ärzten und Apothekern zwischen den Angeboten der vier Rabattpartner
auswählen. Mit den nun einseitig aufgestellten Verfahrensregeln rudert
spectrum|K wieder zurück. Für die Versicherten der 79 Betriebskrankenkassen,
für die die Ausschreibung durchgeführt wurde, soll es nach Willen des
Unternehmens trotz der möglichen Auswahl aus vier Produkten immer nur ein
Arzneimittel geben: nämlich das Billigste.
Bei den
Apotheken will spectrum|K mit seinem Faxanschreiben den Eindruck erwecken, sie
seien aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebotes gehalten, diese
Verfahrensgrundlagen umzusetzen. Nur wenn die billigsten Arzneimitteln nicht
verfügbar seien oder die Produkte aus medizinischen und pharmazeutischen
Gründen für die Patienten nicht in Frage kämen, sollten sie auf die drei anderen
Rabattpartner ausweichen.
Schmidt
begrüßte die klare und eindeutige Positionierung der Apothekerorganisationen in
dieser Frage. So hat der Bayerische Apothekerverband (BAV) seine Mitglieder
darüber informiert, dass sie nicht an die von spectrum|K festgelegte Rangfolge
gebunden sind. Nach dem zwischen Apotheken und Krankenkassen abgeschlossenen
Rahmenvertrag kann die Apotheke bei mehreren Vertragspartnern unter deren
Produkten frei wählen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hatte spectrum|K
bereits im Vorfeld des Vergabeverfahrens eine übermäßige Beeinflussung der
Apotheker vorgeworfen.
Das
Vorgehen von spectrum|K ist für Schmidt umso unverständlicher, als der
Dienstleister selbst die ursprünglich vorgesehene Klausel, die die Apotheken
tatsächlich zu einer solchen Vorgehensweise verpflichtet hätte, wieder
gestrichen hat, nachdem das Landessozialgericht Essen ausdrücklich Zuschläge an
mehrere gleichberechtigte Partner erlaubt hatte. Der Pro
Generika-Geschäftsführer forderte spectrum|K auf, sofort eine Kurskorrektur
vorzunehmen. „Es ist unredlich, den eigenen Versicherten einerseits aus
Marketinggründen vorzugaukeln, sie hätten mehr Wahlmöglichkeiten als
AOK-Patienten, andererseits eben dieses Wahlrecht hinter dem Rücken der
Versicherten aber wieder einzukassieren.“
Politik
Wolf heute im Bundesgesundheitsministerium
26.02.2010
BERLIN –
Nächster Gast nach Krankenkassen und Pharmaindustrie bei
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ist Heinz-Günter Wolf, Präsident
der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Bei dem Gespräch am
heutigen Freitag dürfte Wolf dem Minister insbesondere das
„Garantiepreismodell“ der ABDA vorstellen. Es soll der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) jährliche Einsparungen von über 620 Millionen Euro
ermöglichen. Das berichtet die „Ärzte Zeitung“ unter Berufung auf
ABDA-Geschäftsführer Karl-Heinz Resch.
Das
ABDA-Konzept sieht wirkstoffbezogene Preisobergrenzen vor, bis zu denen die GKV
die Erstattung übernimmt. In Abwandlung des früheren „Zielpreismodells“ soll
das „Garantiepreismodell“ aber auf Bundesebene verhandelt werden. Und im
Gegensatz zu Rabattverträgen seien Garantiepreise, so Resch gegenüber der
„Ärzte Zeitung“, ein „transparentes“ Konzept, „das zum Festbetragssystem
passt“.
Politik
Regierung hat Verbot von Pick-up-Stellen weiter im Visier
25.02.2010
BERLIN –
Auch wenn es um das ein oder andere gesundheitspolitische Vorhaben etwas
stiller geworden ist: Die Koalition hält an ihrer Absicht fest, die sogenannten
Pick-up-Stellen zu verbieten. Denn nach wie vor gehe es hier um Auswüchse des
Versandhandels, die vom Gesetzgeber nicht gewollt sind. Dies wurde aus
Regierungskreisen gegenüber diesem Dienst bestätigt. Die Tatsache, dass das
Thema immer noch auf der Agenda steht, ist offenbar einer unterschiedlichen
juristischen Einschätzung geschuldet. Insbesondere die Experten im
Bundesjustizministerium, deren Haus derartige Vorhaben mitzutragen hat, sehen
rechtliche Probleme – die dem Anschein nach bis hin zu Haftungsfragen reichen.
Mit dem Thema Pick-up-Verbot wird sich gleichen Quellen zufolge die
Regierungskommission befassen, die ab dem 16. März unter Vorsitz von
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) tagt. Sie soll die Strukturen der
geplanten Gesundheitsreform festlegen.
Politik
GKV-Finanzen: Regierungskommission nimmt Arbeit auf
24.02.2010
Vorlage Pressemitteilung NDC-Health
BERLIN – Die
im Koalitionsvertrag festgeschriebene Regierungskommission, die ein neues
Finanzierungskonzept für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausarbeiten
soll, nimmt ihre Arbeit auf. Am heutigen Mittwoch wird
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in der wöchentlichen
Kabinettssitzung die Kommissionsmitglieder vorschlagen. Neben ihm selbst werden
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Familienministerin Kristina
Schröder (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Justizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Verbraucherschutzministerin
Ilse Aigner (CSU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dem Gremium angehören.
Die Kommission habe den Auftrag, so ein Sprecher Röslers, einen Vorschlag „zur
nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung des Gesundheitswesens“ vorzulegen.
Arzneimittelmarkt
Deutsche zahlen Milliarden für Arzneifälschungen
17.02.2010
LONDON –
In Europa setzen Arzneimittelfälscher jährlich gut 10,5 Milliarden Euro um. Zu
diesem Ergebnis kommt eine in London veröffentlichte Studie, die vom
Pharmakonzern Pfizer beim Nunwood-Institut in Auftrag gegeben worden war. In
Italien konnten die Fälscher demnach illegale Waren im Wert von 3,6 Milliarden
Euro verhökern. Auf Platz 2 folgte Deutschland mit einem Umsatz von 2,7
Milliarden Euro. In Spanien waren es 1,5 und in Frankreich immerhin noch 1,2
Milliarden Euro. Die größten Anteile entfielen der Studie zufolge auf Diätpräparate
(45 Prozent), Grippemedikamente (35 Prozent) sowie Arzneimittel gegen
Erektionsstörungen (25 Prozent).
BONN – „Klientelpolitik
zugunsten der Apotheker“ wirft der neue Chef des Bundeskartellamtes, Andreas
Mundt (49), der Bundesregierung vor. Der in Hamburg erscheinenden Zeitung
„Financial Times Deutschland“ erklärte er es als „ärgerlich“ zu empfinden,
„dass die neue Regierung die Pick-up-Stellen für Medikamente verbieten will“.
Mundt weiter: „Hier werden die Apotheker unnötig geschützt – zum Schaden der
Verbraucher. Das muss nicht sein. Im Ausland gibt es diese Restriktionen nicht,
und es funktioniert gut.“
Diese
Kritik erstaunt schon insofern, weil Mundt von der Regierung, deren Politik er
jetzt attackiert, erst am 5. Februar zum obersten Kartellwächter der Republik
ernannt wurde. Mehr noch: Mundt gehört – wie sein Vorgänger Bernhard Heitzer,
heute Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium – der FDP an. Das
Bundeswirtschaftsministerium hatte den Beamten Mundt von 1992 bis 1999 als
Referent an die Bundestagsfraktion der Liberalen ausgeliehen.
Hintergrund
Krankenkassen fordern teils zu Unrecht Zusatzbeiträge von Behinderten
15.02.2010
HANNOVER –
Krankenkassen können von den Versicherten seit 2009 einen Zusatzbeitrag erheben.
In den letzten Wochen haben daher einige Versicherte entsprechende Zahlungsaufforderungen
von ihren Krankenkassen erhalten. Die Lebenshilfe Niedersachsen weist nun darauf
hin, dass nicht alle, die jetzt aufgefordert werden, auch diesen Beitrag zahlen
müssen.
Kersten
Röhr, Geschäftsführer des Vereins, erinnerte in Hannover an die Regelung im Sozialgesetzbuch
(SGB) XII, wonach Grundsicherungsempfänger keinen Zusatzbeitrag entrichten
müssen. Dieser sei vom Kostenträger zu tragen. Auch Beschäftigte in Werkstätten
für Menschen mit Behinderungen hätten den Anspruch, dass die Werkstätten diesen
Zusatzbeitrag für sie verauslagen und dann mit den Kostenträgern abrechnen.
Arzneimittel
Medikationswechsel durch Rabattverträge beeinträchtigt Patientengesundheit
12.02.2010
BONN
– Ein durch Rabattverträge immer wieder veranlasster Medikationswechsel wirkt
sich negativ auf den Gesundungsprozess von Patienten aus. Zu diesem Ergebnis
kommt eine Studie des Marktforschungsinstituts IMS Health im Auftrag des
Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Verbandschef Hans-Georg
Hoffmann stellte sie Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vor.
Bei
den drei analysierten Therapiegebieten (Lipidsenker, Antidepressiva, Insuline)
waren der Studie zufolge signifikante Veränderungen im Hinblick auf Compliance
und Verträglichkeit der Präparate nach einem Verordnungswechsel zu beobachten.
Dies hatte negativen Einfluss auf die Entwicklung bestimmter medizinisch
relevanter Parameter, wie den Blutzucker- und den Cholesterinspiegel. Diese
alarmierenden Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Rabattverträge nicht
nur – wie bereits belegt und durch das Bundeskartellamt bestätigt – aus
ökonomischer Sicht sondern auch aus medizinischer Sicht bedenkliche
Nebenwirkungen haben, so Hoffmann.
Es
wurden Therapiewechsel sowie Patienten- und Arztverhalten am Beispiel der
Präparategruppen Lipidsenker, Antidepressiva und Insuline untersucht. Die
wichtigsten Ergebnisse in Kurzform:
Lipidsenker:
•
12,3 Prozent der Patienten werden nach einem rabattvertragsbedingten Präparatewechsel
wieder auf das ursprüngliche Produkt umgestellt.
•
Bei Fortsetzung der Simvastatin-Therapie mit einem rabattierten Produkt
vergrößert sich der Verordnungsabstand um durchschnittlich zwölf Tage, das
heißt die Präparate werden offensichtlich weniger regelmäßig eingenommen.
•
Die Cholsterinsenkung bei Patienten, die rabattvertragsbedingt das Medikament
wechselten, ist geringer als bei Patienten, die weiter mit den vertrauten
Produkten behandelt werden.
Antidepressiva:
•
5,2 Prozent der Patienten haben Probleme mit dem rabattvertragsbedingten
Wechsel, sie werden auf das ursprüngliche Produkt zurückgestellt.
•
Fast die Hälfte der Antidepressiva-Patienten bekommen innerhalb des ganzen
Jahres nach dem Produktwechsel keine Folgeverordnung der gleichen Substanz.
Dies ist ein Indiz für einen kompletten Abbruch der Therapie. Bei zirka zwölf
Prozent der Antidepressiva-Patienten unterbindet der Arzt von vorn herein den
Produktwechsel, der durch den Rabattvertrag induziert wäre.
Insulin:
•
Sechs bis sieben Prozent der Patienten haben Probleme mit dem
rabattvertragsbedingten Wechsel und werden auf das ursprüngliche Produkt
zurückgestellt.
•
In der Patientengruppe, die auf das rabattierte Produkt umgestellt werden,
steigt der Nüchtern-Blutzucker bereits innerhalb von drei Monaten drastisch.
Methodisch
basiert die Untersuchung auf dem wissenschaftlich anerkannten IMS Disease
Analyzer, der auf die Daten von über zwölf Millionen Patienten aus
Praxiscomputern zugreift. Dabei werden repräsentative und valide Ergebnisse zu
tatsächlichen Therapie- und Krankheitsverläufen gewonnen.
Politik
Rösler kündigt Konzept gegen hohe Arzneimittelpreise an
11.02.2010
BERLIN –
Vor dem Hintergrund steigender Gesundheitskosten und der Ankündigung einiger
gesetzlicher Krankenversicherungen (GKV) Zusatzbeiträge zu erheben, hat
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) seine Absicht bekräftigt, die
Kosten für Arzneimittel zu senken. Im Anschluss an ein Treffen mit Vertretern
der GKV kündigte er an, alsbald ein Konzept vorzulegen, das insbesondere bei
innovativen Arzneimitteln zu einer langfristigen Preisstabilität führt. Darüber
hinaus sei es in dem Gespräch auch um die Kosten-Nutzen-Bewertung gegangen.
Die
Kassenfunktionäre, unter ihnen der Vizechef des GKV-Spitzenverbandes Bund, Johann-Magnus
von Stackelberg, und der Chef des AOK-Bundesverbandes, Herbert Reichelt, lobten
das Gespräch mit Rösler als „offen“ und „konstruktiv“. Zu den Vorschlägen, die
sie zur Absenkung der GKV-Ausgaben gemacht hätten gehörte vor allem eine
Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent (Einsparung:
zirka 2,5 Milliarden Euro), eine Beibehaltung des Apothekenrabatts in Höhe von
2,30 Euro pro Packung (Einsparung: über 300 Millionen Euro) sowie eine
Reduzierung der Großhandelsspanne, die nochmals über 600 Millionen Euro bringen
soll. Außerdem verlangten die Kassen, dass die Hersteller die Preise für neue
Mittel nicht mehr frei festsetzen dürfen.
Arzneimittel
Arzneimittelfälschungen: Apotheken starten Pilotprojekt zur Authentifizierung von Packungen
10.02.2010
BERLIN –
Die Apotheken starten in Deutschland ein Pilotprojekt zur Authentifizierung von
Arzneimittelpackungen, um die Patienten künftig noch besser gegen
Medikamentenfälschungen zu schützen. Das Projekt soll rund sieben Monate dauern
und nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)
bundesweit zahlreiche Apotheken sowie rund 15 Pharmahersteller und den
Großhandel einbeziehen.
Zum
Einsatz soll ein Authentifizierungssystem der Firma Aegate kommen, das unter anderem
in Belgien genutzt wird. Es funktioniert wie folgt: Eine eindeutige
Seriennummer wird in einem 2-D-Datamatrixcode codiert und vom Hersteller (oder
Großhandel) auf die Faltschachtel aufgedruckt oder aufgeklebt. Im Code
enthalten sind auch Pharmazentralnummer (PZN), Chargennummer und Verfallsdatum.
Zudem kann der Datenanbieter ABDATA aktuelle Informationen, wie Rückrufe, in
die Software der Apotheken einspielen. Bei der Abgabe der Packung
authentifiziert die Apotheke das Arzneimittel per Scan und Zugriff auf die
Aegate-Datenbank. Patientenspezifische Daten werden dabei zu keinem Zeitpunkt
gespeichert.
Apothekenmarkt
Paul-Ehrlich-Institut: Alternativen für Kinderimpfstoffe verfügbar
09.02.2010
LANGEN – Einige
Kinderärzte, auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte,
beklagen einen momentanen Lieferengpass für einige Impfstoffe der Firma
GlaxoSmithKline (GSK). Nach aktuellen Information des Unternehmens vom (gestrigen)
Montag ist der Sechsfachimpfstoff Infanrix Hexa ab Montag kommender Woche (15.
Februar) wieder lieferbar – und zwar rund 200.000 Impfstoffdosen, die in etwa
einem Monatsbedarf dieses Impfstoffs entsprechen.
Neben dem Impfstoff
Infanrix Hexa gab es auch bezüglich des Vierfach-Lebendvirusimpfstoff
Priorix-Tetra Lieferengpässe. Infanrix Hexa wird bei Säuglingen und Kindern zur
vorbeugenden Immunisierung gegen die Infektionskrankheiten Diphtherie, Tetanus,
Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und die vom Bakterium Haemophilus
influenzae Typ B hervorgerufenen Krankheiten eingesetzt. Priorix-Tetra ist ein
Kombinationsimpfstoff, der bei Säuglingen und Kindern angewendet wird, um den
Infektionskrankheiten Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen)
vorzubeugen.
Das
Paul-Ehrlich-Institut (PEI) verweist zudem als mögliche Alternative zur
Überbrückung des Engpasses auf weitere in Deutschland zugelassene Kombinations-
und Einzelimpfstoffe. Gegen Masern, Mumps und Röteln sind die Impfstoffe
Priorix des Unternehmens GSK und M-M-RVAXPRO und des Unternehmens Sanofi
Pasteur MSD verfügbar. Bezüglich der Windpockenkomponente kann der
Einzelimpfstoff Varivax des Unternehmens Sanofi Pasteur MSD eingesetzt werden.
Zur
Impfung gegen die sechs Krankheiten Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten,
Haemophilus influenza Typ b, Kinderlähmung und Hepatitis B mit möglichst wenigen
Einzelimpfungen kann der Impfstoff Pentavac des Unternehmens Sanofi Pasteur MSD
in Verbindung mit einem Hepatitis B-Einzelimpfstoff eingesetzt werden
Für die
Zeit der Überbrückung kann zudem eine Priorisierung der Grundimmunisierung
gegenüber der Auffrischimpfung erwogen werden. Für den Impfstoff Infanrix Hexa
sollte die 1. und 2. Impfung prioritär vor weiteren Teilimpfungen erfolgen. Für
die Masern-Mumps-Röteln-Windpocken-(MMRV)-Impfung kann die zweite Impfung zu
einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
Das PEI
wies Berichte zurück, wonach experimentelle Prüfungen des Instituts zum
Lieferengpass beigetragen hätten. Die Prüfungen des PEI werden in der Regel
gleichzeitig mit den Prüfungen des Herstellers durchgeführt („parallel testing“),
um zeitliche Verzögerungen der Freigabe von Arzneimittelchargen durch die
behördliche Prüfung zu verhindern.
Als
Zulassungs- und Prüfbehörde hat das PEI eigenen Worten zufolge „entscheidenden
Einfluss darauf, ob, in welcher Qualität und mit welchem Nutzen-Risiko-Verhältnis
Impfstoffe zugelassen werden beziehungsweise in Verkehr gebracht werden dürfen“.
Welche Impfstoffe von den Herstellern entwickelt, zur Zulassung eingereicht und
anschließend in Verkehr gebracht werden, entzieht sich dem Einfluss des
Instituts.
Hintergrund
Kassenabschlag: IfH hält Lauterbach und Glaeske „Milchmädchenrechnung“ vor
08.02.2010
KÖLN –
Jede dritte Apotheke in Deutschland steht gegenwärtig vor dem Aus. Dieses
Resümee zieht das Institut für Handelsforschung (IfH) der Universität Köln aufgrund
seines jährlich durchgeführten Betriebsvergleichs für Apotheken. Würden
aktuelle Forderungen einiger Gesundheitsexperten durchgesetzt, könne mehr als
die Hälfte der Apotheken nicht mehr rentabel arbeiten. Besonders gefährdet
seien Apotheken auf dem Land.
Zurzeit
machen 37 Prozent der 400 am Betriebsvergleich teilnehmenden Apotheken über das
Jahr hinweg Verluste. Betroffen sind alle Apotheken unabhängig von ihrer Lage:
in Städten und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern ebenso wie auf dem
Land. Ihr dauerhafter Fortbestand ist unter betriebswirtschaftlichen
Gesichtspunkten mehr als fraglich. „Legt man die Ergebnisse des
Betriebsvergleichs als Abbild der deutschen Apothekenlandschaft zu Grunde, hat
jede dritte Apotheke keine Überlebenschance“, fasst Markus Preißner vom IfH die
Ergebnisse der aktuellsten Erhebung zusammen.
Vor dem
Hintergrund der IfH-Erkenntnisse müssen Aussagen des gesundheitspolitischen
Sprechers der SPD, Karl Lauterbach, oder des Apothekenexperten der Universität
Bremen, Gerd Glaeske, verwundern. Lauterbach sprach in einem Beitrag des
ARD-Magazins „Report Mainz“ pauschal von „überflüssigen Gewinnen“ der
Apotheken. Diese beziffert er auf „mindestens“ einer Milliarde Euro. Dem Betrag
also, der in diesem Jahr von den gesetzlichen Krankenkassen in Form von
Zusatzbeiträgen erhoben werden soll.
Glaeske
sieht dies ähnlich und möchte die Apothekenvergütung um einen Euro auf 4,80
Euro senken. Dies gefährde nicht das angeblich „gute Auskommen“ der Apotheken.
Eine betriebswirtschaftliche Begründung, wie Apotheken auf über 20 Prozent
ihrer Vergütungspauschale verzichten können, liefert Glaeske nicht. Er verwies
auf ein Gutachten aus dem Jahre 2002/03, einer Zeit also vor Inkrafttreten
solch marktrelevanter Gesetze wie dem GKV-Modernisierungsgesetz (GMG), dem
Arzneimittelverordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) und dem
GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz (GKV-WSG).
Das IfH
hat Glaeskes Vorschlag auf den Prüfstand gestellt. Es simulierte, wie sich eine
Anhebung des Kassenabschlags auf die betriebswirtschaftliche Situation
einzelner Apotheken auswirkt. Die Studie basiert auf Daten von 125 am
Betriebsvergleich des IfH teilnehmenden deutschen Durchschnittsapotheken. Das
Ergebnis der Simulationsrechnung ist erschreckend: Würde die Apothekervergütung
auf 4,80 Euro abgesenkt, wäre jede zweite Apotheke (53 Prozent) unrentabel.
Dies hätte
zwar nicht zwangsläufig eine Schließung aller betroffenen Apotheken zur Folge.
Insgesamt aber würde das Apothekennetz enorm ausgedünnt; weiße Flecken entstünden
vor allem auf dem Land. Mehr als jede dritte (35 Prozent) zuvor rentable
Landapotheke wiese ein negatives Betriebsergebnis auf. Bei Stadtapotheken läge
diese Quote bei 30 Prozent. In Städten wäre ein Rückgang der Apothekenzahlen
leichter zu verkraften als auf dem Lande.
Neben möglichen Kosteneinsparungen müssen bei einer künftigen Reform auch
die Konsequenzen bedacht werden, so das Fazit von IfH-Geschäftsführer
Andreas Kaapke. Vor diesem Hintergrund seien von den Verantwortlichen „klare
Worte und Sachverstand gefragt – keine Milchmädchenrechnungen!“
Arzneimittelmarkt
Arzneimittel 2009: Zahl abgegebener Packungen stagnierte
04.02.2010
BERLIN –
Die Zahl der zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgegebenen
Arzneimittelpackungen blieb 2009 gegenüber dem Vorjahr konstant. Mit plus 0,2
Prozent veränderte sich die Gesamtzahl nur unmerklich auf 736 Millionen
Packungen. Auch die Rezeptzahl stagnierte: 450 Millionen GKV-Rezepte bedeutet
ein Plus von 0,1 Prozent. Das errechnete die Bundesvereinigung Deutscher
Apothekerverbände (ABDA). Mit der konstanten Zahl abgegebener Arzneimittel
stagniert auch das Apothekenhonorar, da die Arzneimittelpreisverordnung einen
Festzuschlag pro Packung vorschreibt.
Die
Ausgaben der GKV für Arzneimittel (ohne Impfstoffe) stiegen 2009 um 5,9 Prozent
auf 27,3 Milliarden Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Diese Zunahme liegt im
Rahmen der Planungen von GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher
Bundesvereinigung. Im Zuge ihrer Vorgaben (nach § 84 Sozialgesetzbuch (SGB) V)
hatten sie für 2009 einen Anstieg der GKV-Arzneimittelausgaben von zunächst 6,6
Prozent, später von 5,6 Prozent eingeplant. Die Steigerung ist fast
ausschließlich auf die so genannte Strukturkomponente zurückzuführen. Vom
Ausgabenzuwachs profitieren im Wesentlichen die Hersteller patentgeschützter
Arzneimittel.
In den genannten
Zahlen sind die Einsparungen der GKV durch Rabattverträge nach § 130a SGB V
nicht enthalten. Alle gesetzlichen Krankenkassen haben inzwischen
Rabattverträge mit Herstellern geschlossen. Die Einsparvolumina werden jedoch
nicht zeitnah veröffentlicht. Pro Jahr ist nach ABDA-Angaben kassenübergreifend
allerdings von Einsparungen in Milliardenhöhe auszugehen.
Influenza A/H1N1
„Schweinegrippe“: 8,33 Euro für jede nicht verwendete Impfdose
03.02.2010
BERLIN – Die
Bundesländer müssen für jede nicht verwendete Impfdose gegen die so genannte
Schweinegrippe einen Verlust von 8,33 Euro einkalkulieren. Dies geht aus der
Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor.
Demnach liegt der Preis pro Dose bei sieben Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Der
Schaden insgesamt berechne sich „aus der Differenz zwischen bestellten –
nunmehr 34 Millionen – und verimpften Dosen“, heißt es weiter.
Wann sie
verlässliche Angaben zur Zahl der geimpften Personen machen kann, ließ die
Regierung offen. Sie erwarte, dass sich die dem Paul-Ehrlich-Institut von den
Ländern mitgeteilten Zahlen „mit der Zeit konsolidieren“, schreibt die
Regierung. Sie verweist zudem darauf, dass das Robert-Koch-Institut regelmäßig
telefonische Befragungen zum Monitoring der Impfung gegen die neue Influenza
leiste. Der Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline erhalte insgesamt einen
Kaufpreis in Höhe von 238 Millionen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.
Zugleich macht die Regierung
deutlich, dass der Bund der Forderung der Länder nicht nachkommen werde, das
wirtschaftliche Risiko in Bezug auf nicht genutzte Impfdosen zu tragen. „Die
Sicherstellung einer ausreichenden Verfügbarkeit von Impfstoff in einer
Influenza-Pandemie ist eine Aufgabe der Länder“, heißt es in der Antwort. Für
die Erfüllung ihrer Aufgaben trügen die Länder die entstehenden Ausgaben und
damit auch das wirtschaftliche Risiko, dass nicht sämtliche Impfdosen verimpft
und über die Krankenversicherungen refinanziert würden.
Politik
Beim Fiskus klingelt die Kasse: 4,35 Milliarden Euro Mehrwertsteuer auf Arzneimittel
02.02.2010
BERLIN –
Trauriger Rekord bei den Arzneiausgaben: Mehr als 4,35 Milliarden Euro mussten
die Krankenkassen 2009 aus den Beiträgen ihrer Mitglieder an den Fiskus
abführen. Das sind erneut etliche Millionen mehr als noch ein Jahr zuvor.
Obwohl sowohl die Zahl der abgegebenen Rezepte (plus 0,1 Prozent) als auch die
Zahl der abgegebenen Packungen (plus 0,2 Prozent) zu Lasten der Gesetzlichen
Krankenversicherung im Jahr 2009 im Vergleich zu 2008 faktisch stagnierten,
profitiert der Staat mehr denn je. Das ergaben Berechnungen der
Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), die am (gestrigen) Montag
in Berlin veröffentlicht wurden.
Die deutsche Apothekerschaft
unterstützt deshalb die Forderung der Krankenkassen, durch eine Senkung des
Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel zu einer langfristigen Entlastung von
mehr als zwei Milliarden Euro jährlich zu kommen. ABDA-Präsident Heinz-Günter
Wolf: „Deutschland gehört zur europäischen Spitze bei der Steuerlast auf
Medikamente. Das Einsparpotenzial ist enorm und könnte innerhalb kürzester Zeit
gehoben werden – ohne Abstriche für die Versorgung der Menschen.“
Politik
Regierung wirbt für GKV-Zuschuss / Union kündigt Arzneimittel-Spargesetz an
01.02.2010
BERLIN –
Die weiter steigenden Kosten im Gesundheitswesen sollen, wenn es nach der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion geht, mit einem auf die Arzneimittelausgaben
zielenden Spargesetz eingedämmt werden. Wie der gesundheitspolitische Sprecher
der Union, Jens Spahn, in der Zeitung „Die Welt“ ankündigte, sei in erster
Linie an Kostenreduzierungen im Bereich patentgeschützter Medikamente gedacht.
Der Generikamarkt gebe keine Einsparmöglichkeiten mehr her. Das Spargesetz soll
zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten.
Nach
bisherigen offiziellen Berechnungen dürfte die gesetzliche Krankenversicherung
(GKV) dieses Jahr mit einem Minus von 3,9 Milliarden Euro abschließen. Ohne den
um knapp vier Milliarden (auf insgesamt 15,7 Milliarden) Euro aufgestockten
Steuerzuschuss hätte sich der finanzielle Druck auf die gesetzlichen
Krankenversicherung massiv erhöht. Darauf verwies der parlamentarische
Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), in der
ersten Lesung des Sozialversicherungs-Stabilisierungsgesetz
(SozVersStabG).
Apotheker
Gesundheitsminister Rösler setzt auf Apotheken
29.01.2010
BERLIN/ESCHBORN
– „Das Leitbild des Apothekers oder der Apothekerin in der eigenen Apotheke
garantiert die Sicherheit und die Qualität der Versorgung der Bevölkerung mit
Arzneimitteln.“ Das erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) der
„Neuen Apotheken Illustrierten“.
Rösler
sieht in den Apotheken vor Ort zuverlässige Ansprechpartner in
Gesundheitsfragen, zu denen die Menschen ein besonderes Vertrauensverhältnis
haben und konstatiert: „Die Menschen wissen die Kundenorientierung und die
Qualität der Apotheken zu schätzen.“ Gefragt nach der Zukunft der sogenannten
Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen, die die Patienten oft
verunsichern, sagt Rösler: „Rabattverträge sparen Geld ein und entlasten so den
Versicherten. Aber wir müssen auch die Qualität der Versorgung und die
Akzeptanz der Patientinnen und Patienten im Auge haben.“ Dabei setze das
bisherige Verfahren auf die wichtige Rolle der Apotheken: „Sie beraten und
informieren und helfen den Patienten, wenn sie Fragen zu den Arzneimitteln
haben.“
Grundsätzlich
seien auch die Krankenkassen gefragt zu prüfen, ob Verbesserungen im Verfahren
möglich seien. Durch die wechselnden Vertragspartner der Krankenkassen bekämen
Patienten oft wirkstoffgleiche, aber unterschiedlich aussehende Medikamente.
Rösler
gibt Apotheken in Deutschland auch eine Bestnote, wenn es um die den Schutz vor
Arzneimittelfälschungen geht: „Wer Arzneimittel in der Apotheke vor Ort kauft
oder in einer zugelassenen Versandapotheke, der geht auf Nummer sicher.“
Das vollständige
Interview ist in der Neuen Apotheken Illustrierten vom 1. Februar 2010 zu
finden.
Apothekenmarkt
Mehr zuzahlungsbefreite Arzneimittel denn je
28.01.2010
BERLIN –
Für Millionen Patienten gibt es gute Nachrichten: Mehr als 11.000 Arzneimittel
sind von der gesetzlichen Zuzahlungspflicht befreit. Das sind 13 Prozent mehr
Präparate als zu Beginn des Jahres 2009; damals waren weniger als 10.000
Packungen von der Zuzahlungspflicht befreit. Darauf weist die Bundesvereinigung
Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hin. Die Zuzahlungsbefreiungen gelten für
die Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen, da die Arzneimittelpreise
jeweils mindestens 30 Prozent unter dem Festbetrag liegen.
Die 11.262 zuzahlungsbefreiten
Arzneimittel (Stand: 15. Januar 2010) entsprechen etwa einem Drittel derjenigen
Medikamente, die Festbeträgen – Erstattungshöchstbeträge für Arzneimittel mit
identischen oder vergleichbaren Wirkstoffen und Wirkungen – unterliegen.
Derzeit sind von dieser Festbetragsregelung 30.803 Präparate betroffen. Vor
Jahresfrist lauteten die entsprechenden Zahlen 9.965 und 29.126 (Stand: 15.
Januar 2009). Die ABDA empfiehlt grundsätzlich allen gesetzlich versicherten
Patienten, bei der Rezepteinlösung in der Apotheke nach zuzahlungsbefreiten
Alternativen zu fragen. Eine aktuelle Liste dieser Arzneimittel ist unter www.aponet.de zu finden.
Umfrage
Zwei Drittel der Deutschen glauben, Gesundheitsreform wird ihnen nutzen
27.01.2010
BERLIN – In
eine Reform des Gesundheitswesens setzen 70 Prozent der Deutschen die Hoffnung,
dass sie ihnen persönlich nutzen wird. 46 Prozent befürchten aber, dass der Krankenkassenbeitrag
in den nächsten Jahren weiter steigt. Das belegt eine repräsentative Umfrage
zur gesundheitspolitischen Meinung der Menschen im Lande. Sie war von TNS Emnid
im Auftrag des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller durchgeführt und am
(gestrigen) Dienstag in Berlin vorgestellt worden.
Zu den
weiteren aufschlussreichen Feststellungen gehört die Erkenntnis, dass 67
Prozent der Bürger sich mit dem Gesundheitssystem zufrieden zeigen, wogegen
rund ein Drittel (32 Prozent) dies verneint. Während andererseits 76 Prozent
das gegenwärtige medizinische Versorgungsniveau für gut befinden, kritisieren
58 Prozent, dass Patienteninteressen nicht ausreichend berücksichtigt würden.
46 Prozent sind der Meinung, dass
der Zugang zu medizinischen Innovationen nicht ausreichend ist. 74 Prozent
meinen, dass Geld verschwendet wird. Rund 65 Prozent vertreten die Auffassung,
dass das Gesundheitssystem zu teuer und zu kompliziert ist. Und last but not
least: 46 Prozent halten den Anspruch, allen Patienten die notwendige Behandlung
zukommen zu lassen, für richtig, aber nicht bezahlbar.
Arzneimittelmarkt
Pfeiffer fordert höheren Kassenabschlag und weniger Verordnungen
26.01.2010
BERLIN – Obwohl
der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) – zumindest
offiziell – noch nicht darüber entschieden hat, ob er gegen die Absenkung des
Kassenabschlags Widerspruch einlegt, ließ Verbandschefin Doris Pfeiffer schon
einmal wissen, wohin die Reise gehen soll, wenn es nach ihr geht.
Gegenüber
der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte sie zu diesem Themenkomplex: „Der
Abschlag, den die Kassen auf die Herstellerpreise bekommen, könnte ebenso
erhöht werden wie der Rabatt, den die Kassen pro Packung bei den Apotheken
erhalten. So gibt es einige Punkte, mit denen man unter dem Strich ein paar
hundert Millionen Euro sparen könnte. Wir müssen aber auch über die Qualität
der Arzneimittelverordnungen reden. Es wird zu viel verschrieben in Deutschland.“
In einem
weiteren Interview, im „Deutschlandfunk“, plädierte Pfeiffer für ein
Ausgabenmoratorium für Arzneimittel und Ärztehonorare. Gleichzeitig zeigte sie
sich überzeugt, dass spätestens bis Anfang 2011 alle GKV-Mitglieder
Zusatzbeiträge zahlen werden müssen.
Politik
Rösler will IQWiG-Stellung stärken
25.01.2010
BERLIN –
Angesichts der Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) will
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sich „die Ausgabenseite sehr genau
anschauen“. Wie der FDP-Politiker gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der
Spiegel“ erklärte, gebe es nicht zuletzt bei den Arzneimittelpreisen
Handlungsbedarf.
Rösler
sieht eigenen Worten zufolge eine seiner Aufgaben darin, auf eine effiziente
Verwendung der Beitragsgelder zu achten. Das sei bislang nicht immer der Fall.
Auf die Arzneimittelausgaben eingehend forderte er, künftig bei jedem
Medikament exakt zu prüfen, ob Nutzen und Kosten im angemessenen Verhältnis
zueinander stünden. Hierzu sei die Stellung des Instituts für Qualität und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu stärken.
Politik
Rösler: Zusatzbeiträge sind „Geburtsfehler“ / Arzneimittelmarkt wird dereguliert
22.01.2010
BERLIN – „Bloße Kostendämpfungsgesetze halten wir für den falschen Weg“,
erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am (gestrigen)
Donnerstag in der Haushaltsdebatte des Bundestages. Er kündigte an, jeden
Sektor im Gesundheitswesen darauf überprüfen zu wollen, ob mit den
Beitragsgeldern effizient umgegangen werde.
Dazu müssten alle Seiten „echte Anreize und mehr Möglichkeiten“ bekommen,
sich wirtschaftlich zu verhalten. „Wir brauchen ein faires System, das sich
nicht anmaßt, alles vorzuschreiben“, betonte der Minister. Er lehnte es ab,
sich an Diskussionen über Rationierung und Priorisierung zu beteiligen. Rösler
bezeichnete in diesem Zusammenhang die Zusatzbeiträge, die viele Versicherte alsbald
zahlen müssten, als einen „Geburtsfehler“, den es zu beseitigen gelte.
Johannes Singhammer, als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
für den Bereich Gesundheit zuständig, kündigte drei gesundheitspolitische
Vorhaben der Koalition an: Ein Gesetz zur Deregulierung des
Arzneimittelmarktes, der aktuell von über zwei Dutzend Steuerungsinstrumenten
überzogen werde. Eine Entbürokratisierung der ärztlichen Versorgung sowie eine
Neuordnung des Verhältnisses zwischen gesetzlicher und privater
Krankenversicherung.
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner kritisierte, dass
Röslers Vorstellungen auf eine Umverteilung von unten nach oben hinausliefen.
Und wie der von ihm propagierte Sozialausgleich für die Beitragszahler aussehen
solle, wisse noch niemand, zumal erst einmal festgestellt werden müsste, wer
überhaupt bedürftig sei.
Bündnis ‘90/Grüne unterstellte Rösler „Unehrlichkeit“ und warf ihm vor,
die private Krankenversicherung ebenso wie die Pharmaindustrie zu begünstigen.
Aus Sicht der Linken treibt die bürgerliche Koalition mit ihrer
Gesundheitspolitik die „Spaltung der Gesellschaft“ voran.
Sondermeldung
Erika Fink wiedergewählt
20.01.2010
Frau Erika Fink ist die alte und neue Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Am heutigen Tage wurde sie erneut zur Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen gewählt. Frau Fink ist Inhaberin der Grüneburg-Apotheke in Frankfurt am Main und Präsidentin der Bundesapothekerkammer.
Zum Vizepräsident wurde der Krankenhausapotheker Dr. Manfred Schmall gewählt, der dem Vorstand der Kammer bereits seit vielen Jahren angehört. Die weiteren Vorstandsmitglieder sind: Dr. Dieter Steinbach, Bad Homburg; Ursula Funke, Wiesbaden; Klaus LangHeinrich, Frankfurt; Dr. Cora Menkens, Bad Homburg und Dr. Alexander Bootz, Frankfurt.
Frau Fink führte in ihrer Antrittsrede aus, die pharmazeutische Leistung der Apothekerinnen und Apotheker müsse in der Öffentlichkeit noch besser dargestellt werden. Es sei Aufgabe der Apothekerinnen und Apotheker, für die Bevölkerung niederschwellige Beratungs- und Hilfsangebote zu machen. Auf politischer Ebene müsse weiter gegen „ordnungspolitische Sündenfälle“, wie beispielsweise Pick-up-Stellen, vorgegangen werden. Die Apotheke sei gelebter Verbraucherschutz, dies werde in der Politik immer mehr begriffen.
Apotheken
Kassenabschlag: Rechenzentren stellen auf 1,75 Euro um
20.01.2010
BERLIN – Der von 2,30 auf 1,75 Euro
reduzierte Kassenabschlag soll ab sofort umgesetzt werden. Das berichtet die
„Deutsche Apothekerzeitung“ (DAZ) in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf den
Deutschen Apothekerverband (DAV). Wie ein Verbandssprecher erklärte, hat der
DAV die Apothekenrechenzentren gebeten, ab dem 1. Januar 2010 mit dem neuen
Abschlag zu rechnen.
Die von DAV und GKV-Spitzenverband
eingerichtete Schiedsstelle hatte am 21. Dezember letzten Jahres entschieden,
dass der Kassenabschlag, den die Apotheken je verordneter Arzneimittelpackung
an die GKV zu zahlen haben, rückwirkend ab 1. Januar 2009 auf 1,75 abzusenken
ist. Der GKV-Spitzenverbandhat
bislang noch nicht entschieden, ob er den Schiedsspruch akzeptiert. Da der DAV
nun Fakten geschaffen hat, will der Verband prüfen, ob er dagegen vor Gericht
zieht.
Der DAZ zufolge empfiehlt der DAV
daher den Apothekern mit ihren Steuerberatern Rücksprache zu halten, ob und in
welcher Höhe sie Rücklagen bilden sollten.
Apotheken
2009: Weniger Packungen – höherer Umsatz
18.01.2010
BERLIN – Trotz schwachen
Jahresbeginns hat der Umsatz auf dem deutschen Apothekenmarkt im vergangenen
Jahr um knapp 900 Millionen auf rund 24,7 Milliarden Euro zu Abgabepreisen der
pharmazeutischen Unternehmer zugelegt. Das Wachstum erreicht mit 3,7 Prozent
somit in etwa das Niveau der Vorjahre, in denen es bei 4,3 (2008)
beziehungsweise 4,4 Prozent (2007) lag. Das berichtet der
Informationsdienstleister Insight Health, Waldems-Esch.
Mit diesem Ergebnis konnte bis weit
ins abgelaufene Jahr nicht gerechnet werden. Schließlich hatte der Markt nach
sechs Monaten gerade einmal ein Plus von 1,4 Prozent aufzuweisen. Schlug das
dritte Quartal mit einem Umsatzzuwachs von immerhin schon knapp fünf Prozent zu
Buche, legte der Umsatz in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres gar
um sieben Prozent zu. Damit entfiel mit einem Plus von rund 420 Millionen Euro
fast die Hälfte des gesamten Umsatzzuwachses 2009 auf das letzte Quartal.
Die Menge der abgegebenen Packungen
ging über das gesamte abgelaufene Jahr um 0,5 Prozent (minus acht Millionen
Packungen) zurück, obwohl auch hier im letzten Quartal ein marginales Plus (von
0,2 Prozent) zu verzeichnen war. Das zeigen aktuelle Zahlen, die Insight Health
sowohl auf Basis der Großhandelseinkäufe der öffentlichen Apotheken als auch
der direkt vom Hersteller in die Apotheken gelieferten Präparate ermittelt hat.
Wie schon seit Jahresbeginn 2009
beobachtet, war die Umsatzsteigerung auf dem deutschen Apothekenmarkt zu großen
Teilen den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu verdanken. Sie
verzeichneten nach einem Plus von gut zwei Prozent im ersten Halbjahr im
letzten Quartal einen Zuwachs von 8,1 Prozent und erreichten damit über das
Gesamtjahr gesehen ein Plus von 4,5 Prozent. Die Umsatzbedeutung der
verschreibungspflichtigen Präparate für die Apotheken erhöhte sich weiter; 2009
betrug ihr Anteil rund 82 Prozent der Erlöse, nachdem er ein Jahr zuvor noch
bei 81,3 Prozent gelegen hatte.
Dabei fällt auf, dass inzwischen
42,8 Prozent des Umsatzes auf Präparate aus den zehn umsatzstärksten
Indikationsgruppen entfallen. Dazu zählen zum Beispiel Antidiabetika, Mittel
zur Behandlung von Herz-/Kreislauferkrankungen, Schmerzmittel und
Immunsupressiva.
Während der Umsatz der
verschreibungspflichtigen Arzneimittel auf dem deutschen Apothekenmarkt stabil
zulegte, gingen 2009 die Umsätze bei den apothekenpflichtigen Arzneimitteln um
1,5 Prozent zurück. Der Rückgang bei diesen Präparaten, die nicht vom Arzt
verschrieben werden müssen, aber nur über Apotheken abgegeben werden dürfen,
ist nach Auffassung von Insight Health vornehmlich auf die Entwicklung im
Versandhandel zurückzuführen. Das bestätigen Zahlen des Kooperationspartners AC
Nielsen, nach denen der Umsatz mit diesen Arzneimitteln bei den
Versandapotheken im vergangenen Jahr um 25 Prozent zugelegt habe.
Arzneimittelversorgung
Viele Apotheken bieten Botendienst auch bei Schnee und Eis an
15.01.2010
BERLIN – Wenn sich ältere und kranke
Patienten bei Schnee und Eis nicht auf die Straße wagen, kann ihnen der
Botendienst vieler Apotheken die Arzneimittel nach Hause liefern. Auf diesen
besonderen Service macht Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)
aufmerksam. „Wer sich wegen der Glätte nicht aus dem Haus traut, sollte seine
Stammapotheke anrufen und fragen, ob und wann die Arzneimittel per Botendienst
geliefert werden können“, empfiehlt ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt. Der
Botendienst (Bringdienst, Home Service) gehört zum Leistungsspektrum vieler
Apotheken zwischen Usedom und Schwarzwald. Zahlreiche der 21.600 Apotheken in
Deutschland bieten den Botendienst längst ganzjährig an.
Apotheken
BAK aktualisiert Leitlinie zur Versorgung von Bewohnern in Pflegeheimen
14.01.2010
BERLIN – Die Bewohner von
Pflegeheimen werden von wohnortnahen Apotheken individuell MIT Arzneimitteln
und Medizinprodukten versorgt. Damit diese Leistung dem aktuellen Stand von
Wissenschaft und Technik entspricht, hat die Bundesapothekerkammer (BAK)
ihre entsprechende Leitlinie überarbeitet.
Wird in der Apotheke die Medikation
individuell dokumentiert, empfiehlt die BAK, der Lieferung einen aktuellen
Medikationsplan beizulegen. Damit verbessert sich die
Arzneimittel-Therapiesicherheit (AMTS), weil der Apotheker gleichzeitig
mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt. Die Apotheke informiert das
Pflegepersonal auch, wenn wegen Lieferverträgen andere als die verordneten
Präparate abgegeben werden müssen. Zu den Leistungen der heimversorgenden
Apotheke gehört im Bedarfsfall ebenso die kurzfristige Versorgung außerhalb der
Öffnungszeiten über den Apothekennotdienst.
Die Leitlinien der BAK sind
Handlungsempfehlungen und umfassen ausführliche Kommentare und Arbeitshilfen.
Sie richten sich an alle Berufsangehörigen mit dem Ziel, die Qualität der
pharmazeutischen Leistungen ständig zu verbessern. Derzeit veröffentlicht die
BAK Leitlinien für 15 verschiedene apothekerliche Aufgabengebiete.
Politik
Schweinegrippe: Länder müssen nur 34 Millionen Impfdosen abnehmen
13.01.2010
HANNOVER – Statt der ursprünglich
bestellten 50 Millionen Dosen Impfstoff werden die Bundesländer nur 34
Millionen Dosen abnehmen. Auf diesen Kompromiss habe man sich mit dem
Hersteller Glaxo-Smith-Kline geeinigt, erklärte die Vorsitzende der
Gesundheitsministerkonferenz, Niedersachsens Gesundheitsministerin Mechthild
Ross-Luttmann (CDU), in Hannover. Mit der Stornierung von rund einem Drittel
sparen die Bundesländer nach Angaben der Ministerin 133,3 Millionen Euro.
Nach vorliegenden Erkenntnissen
dürften die Länder selbst dann noch auf einem Großteil der nun deutlich
reduzierten Impfstoffmenge sitzen bleiben, wenn eine zweite Grippewelle
Deutschland erfasst. Was Ross-Luttmann nur indirekt einräumte: Die Art und
Weise, wie insbesondere Politik und Medien mit dem Thema Pandemie umgingen, hat
Akzeptanz gekostet und war der Impfbereitschaft der Bürger nicht förderlich.
Die Politikerin verwies jedoch zu Recht darauf, dass Impfungen „immer noch der
einzig wirksame Schutz der Menschen vor den Gefahren der neuen Influenza sind“.
Hintergrund
IfH: Sachverständigenrat irrt – es gibt kein Apothekenmonopol!
12.01.2010
KÖLN – Der Sachverständigenrat zur
Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland
kritisiert in seinem Jahresgutachten 2009/10 das Fremd- und Mehrbesitzverbot
von Apotheken (dieser Dienst berichtete). Nach Ansicht des Rates würden
Apothekenketten den Wettbewerb bei der Distribution von Arzneimitteln
stimulieren und so zur Effizienzsteigerung beitragen. Das Institut für
Handelsforschung (IfH) der Universität zu Köln bemängelt diese Aussagen als
„unzureichend “ fundiert.
Der Sachverständigenrat geht in
seinem Gutachten davon aus, dass bei Apotheken kein nennenswerter Wettbewerb
bestünde. Es mag zwar einzelne Gebiete geben, so das IfH, in denen nur eine
Apotheke ansässig sei und von daher nur geringer Wettbewerb herrsche. Dass dort
jedoch keine zweite Apotheke angesiedelt sei, könne auch Ausdruck von
Wettbewerb sein. In aller Regel habe eine Marktanalyse ergeben, dass eine
weitere Apotheke in dem entsprechenden Gebiet keine hinreichende Marktchance
besäße.
Die Aufhebung des Fremd- und
Mehrbesitzverbotes würde nach Ansicht des Sachverständigenrates den Wettbewerb
auf der Apothekenebene beleben und so zur Senkung der Arzneimittelausgaben
beitragen. Als Beleg führen die Sachverständigen die Ergebnisse der
Deregulierung des Marktes für Telekommunikation an.
Nach Auffassung des IfH ist dies
eine „nicht hinreichende“ Begründung. So agierten die über 21.000 Apotheken in
Deutschland auf einem polypolistischen Markt, auf dem viele Anbieter auf viele
Nachfrager träfen, während der Markt für Telekommunikation vor seiner
Deregulierung eine monopolistische Struktur aufwies. Folglich sei es wenig
sinnvoll, die aus dem Übergang vom monopolistischen zum oligopolistischen
Telekommunikationsmarkt erzielten wettbewerblichen Effizienzsteigerungen eins
zu eins auf den polypolistischen – und damit den per Definition
wettbewerbsintensiveren – Apothekenmarkt zu übertragen.
Der Sachverständigenrat unterstellt
ferner, dass mehr Wettbewerb auf der Apothekenebene per se zu
Effizienzsteigerungen beziehungsweise zu niedrigeren Preisen führt. Dies setzt
voraus, dass mehr Wettbewerb zu niedrigeren Kosten und/oder niedrigere Preise
zu höheren Absatzmengen führen (können).
Die für diese Zusammenhänge
maßgebenden Mechanismen gelten für Apotheken und den Absatz von Arzneimitteln
aber nur sehr eingeschränkt, urteilt das IfH. So ließen sich die aus anderen
Branchen bekannten Kostensenkungs- und Marketingkonzepte nicht uneingeschränkt
auf den Apothekenmarkt übertragen. Grund hierfür seien vor allem die hohen
Anforderungen beim Raum- und Personaleinsatz in der Apotheke sowie die Besonderheiten
von Arzneimitteln und die starke Abhängigkeit der Marktnachfrage von externen
Gegebenheiten.
Beispielsweise träten Apotheken im
Bereich der verschreibungsfähigen Arzneimittel aufgrund des
Kontrahierungszwangs als Vollsortimenter auf; eine aus dem Discountbereich
bekannte und kostensparende Begrenzung des Sortiments auf Schnelldreher scheide
also aus. Gleiches gelte für die Umsetzung des Selbstbedienungsprinzips und die
Wahl der Geschäftsfläche. Auch in diesen beiden Bereichen ist die Handlungsautonomie
des Apothekers stark eingeschränkt. Zudem ließen sich bei Arzneimitteln Umsätze
im Regelfall nicht marketingpolitisch steuern. Vielmehr hängen diese stärker
als in den meisten anderen Branchen vom Standort einer Apotheke und der
dortigen Verschreiber-, Bevölkerungs- und Wettbewerbssituation ab.
Abgesehen von wettbewerblichen
Aspekten werde oftmals unterstellt, dass Kettenapotheken generell
Effizienzvorteile gegenüber einzelbetriebenen, inhabergeführten Apotheken
aufwiesen. Das IfH hat dies für die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg
untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die Bildung von Apothekenketten kaum
zu Einsparungen führen würde.
So lasse sich beispielsweise beim
Personaleinsatz als bedeutendstem Kostentreiber in der Apotheke – anders als in
vielen anderen Branchen – aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, der hohen
Beratungs- und Dienstleistungsintensität sowie des zumeist ungleich verteilten
und schwerlich zu prognostizierenden Kundenaufkommens nur ein geringfügiges
Einsparpotenzial identifizieren.
In besonderer Weise gelte dies im
Hinblick auf den Einsatz pharmazeutischer Fachkräfte. Ob als Einzelbetrieb oder
als Kettenapotheke: Die Apotheke würde ihre Funktion als pharmazeutisches
Fachgeschäft in Frage stellen, wenn sie beim Personal sparen wollte. Demnach
wären Einsparungen im Bereich des pharmazeutischen Personals durch die Bildung
von größeren Filialsystemen lediglich durch die Koordination von Ausfällen,
Notdienst- sowie Urlaubszeiten und beim Filialleitergehalt denkbar.
Auch bei den administrativen
Back-Office-Vorgängen wäre kaum mit nennenswerten Einsparungen zu rechnen, da
sich der Warenfluss in einer inhabergeführten Apotheke nicht signifikant von
dem in einer Filialapotheke unterscheide. Lediglich bei der Warenbeschaffung
erscheinen größere Einsparungen möglich. Diese beschränkten sich aber auf das
nicht-verschreibungspflichtige Sortiment, auf das jedoch nur rund 20 Prozent
des Apothekenumsatzes entfielen.
Fazit:
Das IfH schließt sich den Aussagen
des Sachverständigenrates zum Fremd- und Mehrbesitzverbot von Apotheken im
Jahresgutachten 2009/10 nicht an. Kritisch zu bewerten sei nach Ansicht des IfH
vor allem eine augenscheinlich zu enge Definition der Sachverständigen von
Wettbewerb sowie eine unzureichende Fundierung ihrer Schlussfolgerungen und
Forderungen. Zudem hätten die Sachverständigen Angaben zur Höhe der
Einsparpotenziale vermieden.
Krankenversicherung
Zeitung: GKV-Minus 2,5 Milliarden geringer
11.01.2010
DÜSSELDORF – Die aufgrund der
internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise veranschlagte Deckungslücke im
Gesundheitsfonds in Höhe von 3,9 Milliarden Euro dürfte spürbar geringer
ausfallen als erwartet. Der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt hatte im
Dezember 2009 ein Minus von 7,8 Milliarden Euro prognostiziert. Abzüglich der
von der Bundesregierung zugesagten Finanzspritze haben die gesetzlichen
Krankenversicherungen (GKV) daher bislang mit einem Defizit von 3,9 Milliarden
für das laufende Jahr rechnen müssen.
Berechnungen des Kieler Instituts
für Weltwirtschaft (IfW) für das „Handelsblatt“ zeigen nun: Den Kassen dürften
am Ende lediglich 1,4 Milliarden Euro fehlen. Sollte dies zutreffen, könnte der
Bundeszuschuss um 2,5 Milliarden Euro reduziert werden. Grund für diese
positive Entwicklung: Der Arbeitsmarkt blieb 2009 weit stabiler, als
vorhergesagt.
Die Einschätzung des IfW teilt wohl
auch das Bundesgesundheitsministerium. Dort geht man davon aus, dass die Kassen
von ihrer Ankündigung, zur Ausgabendeckung 2010 Zusatzbeiträge erheben zu
wollen, mehrheitlich keinen Gebrauch machen. Das zumindest wurde in einer
Antwort des Ministeriums auf eine entsprechende Anfrage der Bundestagsfraktion
B’90/Grüne deutlich.
Apotheken
„Bleiben Sie fit!“: Apothekenspot bundesweit im Kino
07.01.2010
BERLIN – Auf mehr als 700 Leinwänden
werden Kinobesucher deutschlandweit in den kommenden Wochen auf die
bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Wettbewerbe eingestimmt. Unter
dem Motto „Die Winterspiele sind eröffnet!“ zeigt ein 30-sekündiger Kinospot
ungewöhnliche Sportlerinnen und Sportler in überraschender Umgebung.
Der Spot betont, dass Sport und
Bewegung wichtig sind für Fitness und Gesundheit – und ganz nebenbei Spaß
machen. So dreht eine ältere Dame ihre Pirouetten auf einer Eisfläche im
Kinderplanschbecken, eine Mutter „curlt“ mit ihrem Sohn im Wohnzimmer um die
Wette, und ein mutiger Mittvierziger inszeniert auf einem Kinderspielplatz
seine ganz persönliche Fortsetzung der Vierschanzentournee.
Die Bundesvereinigung Deutscher
Apothekerverbände (ABDA) als Spitzenorganisation der Apothekerschaft ist
Co-Partner der deutschen Olympiamannschaft und Nationaler Förderer des
Deutschen Behindertensportverbandes. Die bundesweit auch in vielen tausend
Apotheken in dieser Woche gestartete Kampagne „Die Winterspiele sind eröffnet!“
kombiniert die Themen Fitness und Prävention mit Fragen rund um Gesundheit und
Arzneimittel.
In Apotheken in ganz Deutschland
sowie im Internet auf www.abda.de können Patienten und Kunden ab sofort an
einem wintersportlichen Gewinnspiel teilnehmen: Der Preis ist eine Reise für
zwei Personen zu den Paralympischen Winterspielen vom 12. bis 21. März 2010 in
Vancouver.
Krankenkassen
Fusion von DAK und HMK erfolgreich abgeschlossen
06.01.2010
HAMBURG – Die Deutsche Angestellten
Krankenkasse (DAK) und die Hamburg Münchner Krankenkasse (HMK) haben ihre
Fusion am (gestrigen) Dienstag abgeschlossen. Die DAK zählt damit nach eigenen
Angaben 6,4 Millionen Versicherte und 4,8 Millionen Mitglieder. Beide Kassen
hatten schon vor ihrem Zusammenschluss eng kooperiert. So schlossen sie zum
Beispiel gemeinsam Versorgungsverträge ab und arbeiteten im IT-Bereich eng
zusammen.
Vorsitzender des Verwaltungsrates ist
auch künftig Hans-Peter Stute. Die DAK wird – anders als die meisten großen
Kassen – weiterhin von einem zweiköpfigen Vorstand geführt. Als
Vorstandsvorsitzender wurde Herbert Rebscher und als stellvertretender
Vorstandeschef Claus Moldenhauer im Amt bestätigt.
Politik
Patientenbeauftragter Zöller: GKV-Budgetierung nicht mehr tragbar
04.01.2010
BERLIN – Eine Abschaffung der
Budgetierung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fordert der neue
Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller. Der
CSU-Bundestagsabgeordnete erklärte dem in München erscheinenden
Nachrichtenmagazin „Focus“, dass die Ärzte auch für Kassenpatienten erbrachte
Leistungen bezahlt bekommen müssten. Zudem würde eine Abschaffung der Deckelung
dazu führen, dass GKV-Versicherte auf Facharzttermine nicht mehr länger warten
müssten als Privatversicherte.
Gleichzeitig verlangte Zöller
Anreize dafür zu schaffen, dass sich künftig mehr Ärzte in ländlichen Regionen
niederließen. Außerdem kündigte er ein Patientenrechtegesetz an. Es dürfe nicht
sein, so der Unions-Politiker, dass Patienten zum Teil „notwendige Hilfen wie
Bittsteller einklagen müssten“. Noch im Januar werde Gesundheitsminister Philipp
Rösler (FDP) mit Experten seines Hauses in Klausur gehen, um hier Lösungen zu
finden.
Politik
GKV-Finanzen: Rösler lehnt Arzneimittelsparpaket ab
30.12.2009
BERLIN – Bundesgesundheitsminister
Philipp Rösler (FDP) lehnt es ab, die maroden Finanzen der gesetzlichen
Krankenversicherung (GKV) mit einem neuen Arzneimittelspargesetz sanieren zu
wollen. Gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ erklärte er dazu: „Die
Vorgängerregierung hat eine Vielzahl von Regelungen gerade im
Arzneimittelbereich beschlossen – ohne dass es dadurch zu einer dauerhaften
Entlastung der Krankenkassen gekommen ist.“
Rösler konkretisierte seine Kritik
am Beispiel der Gesundheitsreform des Jahres 2004*. Damals seien die Ausgaben
nach Ausgrenzung der rezeptfreien Arzneimittel aus dem Leistungskatalog von 24
auf etwa 22 Milliarden Euro zurückgegangen. Allerdings hätten sie im Jahr
darauf schon bei 25 Milliarden Euro gelegen. „Das zeigt: So lassen sich
Probleme nicht lösen.“ Als Konsequenz aus diesen immer wieder gescheiterten
Sparversuchen wolle er „die Dinge grundsätzlicher angehen“.
Der FDP-Politiker versicherte den in
Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“ an seiner Linie festhalten zu wollen,
im Zuge der geplanten Gesundheitsreform eine übermäßige Belastung der
Versicherten zu vermeiden. Das behutsame Umsteuern biete zudem den Vorteil,
„dass die finanziellen Mittel aus dem Bundeshaushalt, die wir für den sozialen
Ausgleich benötigen, auch bereitgestellt werden können“.
• Gesetz zur Modernisierung der
gesetzlichen Krankenversicherung (GMG): Neben der Einführung einer
Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal werden im Gesetz zur Modernisierung der
gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) sowohl Entbindungs- als auch Sterbegeld
endgültig gestrichen. Die bis dahin pauschalisierte Selbstbeteiligung an
Arznei- und Hilfsmitteln beträgt nun jeweils 10% der jeweiligen Kosten, minimal
jedoch 5 Euro und maximal 10 Euro. Die Belastungsobergrenze für Zuzahlungen
wird allgemein auf 2% des jährlichen Bruttoeinkommens festgelegt (1% bei
chronisch Kranken). Die Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalten wird auf 10 Euro
pro Tag erhöht. Fahrtkostenzuschüsse und die Krankenkassenleistungen bei nicht
verschreibungspflichtigen Medikamenten werden ersatzlos gestrichen.
Pharmaindustrie
VFA: Medizinischer Forschritt durch 37 Medikamente mit neuen Wirkstoffen
29.12.2009
BERLIN – „37 Medikamente mit neuen
Wirkstoffen haben Pharmaunternehmen 2009 auf den Markt gebracht. Das ist die
höchste Zahl seit 1997“, konstatierte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des
Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA), in ihrer Bilanz des zu Ende
gehenden Jahres 2009.
Die 37 Medikamente mit neuen
Wirkstoffen verteilen sich auf folgende medizinischen Gebiete: Krebs (7
Präparate), Stoffwechselkrankheiten (7), Infektionen (6), Immunkrankheiten (6),
hämatologische Erkrankungen (4), Herz-Kreislauf-Krankheiten (2), Krankheiten
des Nervensystems (2), Atemwegserkrankungen (1), Sexualstörungen (1) und
Verhütung (1).
Fünf Medikamente dienten der
Behandlung seltener Erkrankungen, etwa der Stoffwechselstörung Phenylketonurie
oder der Autoimmunkrankheit Muckle-Wells-Syndrom. Als selten gelten Krankheiten,
wenn weniger als einer von 2.000 EU-Bürgern daran leidet. Sechs der neuen
Präparate enthalten monoklonale Antikörper. Diese biotechnisch hergestellten
Wirkstoffe sind natürlichen Abwehrmolekülen des Immunsystems nachempfunden.
Einer der neuen Antikörper vernichtet bestimmte Krebszellen auf innovative
Weise, indem er sie gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Immunzellen
verbindet.
Zudem haben die Hersteller 19 neue
Präparate herausgebracht, bei denen bewährte Wirkstoffe auf neue Weise zum
Einsatz kommen: So wirkt ein starkes Schmerzmittel nun in Form eines
Nasensprays schon binnen weniger Minuten. Ein neuer Impfstoff auf Basis von
Varizellen-Viren bietet erstmals Schutz vor Gürtelrose (statt wie bisherige
Varizellen-Impfstoffe vor Windpocken). Gegen Bluthochdruck, Diabetes und Asthma
kamen Präparate mit kombinierten Wirkstoffen heraus, die bisher einzeln
eingenommen werden mussten. Ein weiteres HIV-Medikament ist nun kindgerecht als
Trinklösung verfügbar.
Für jedes neue Medikament mussten
die Pharmaunternehmen im Schnitt zwölf Jahre forschen und entwickeln und dafür
800 Millionen US-Dollar aufwenden. Patienten haben davon allerdings nur dann
etwas, „wenn die neuen Medikamente sie auch erreichen“, sagte Yzer.
Krankenkassen
AOK-Arzneirabattverträge: Weitere Zuschläge für 2010 bis 2012 erteilt
24.12.2009
BERLIN – Die Allgemeinen
Ortskrankenkassen (AOKen) haben mehr als drei Monate vor dem geplanten Start
der neuen Rabattvertragsserie – für die Jahre 2010 bis 2012 – für fast alle der
87 ausgeschriebenen Wirkstoffe Vereinbarungen abgeschlossen. Damit startet die
Abgabe der Rabattvertragsarzneien am 1. April 2010 wie geplant mit mindestens
76 Substanzen. Das teilte der AOK-Bundesverband am (gestrigen) Mittwoch mit.
Insgesamt wurden weitere 344 Einzelverträge für 69 Wirkstoffe in den fünf
Gebietslosen geschlossen.
Zudem verwies die Kasse darauf, dass
die bislang übliche Klagewelle pharmazeutischer Hersteller ausblieb. Dies lasse
darauf schließen, dass sich das Ausschreibungsverfahren etabliert habe.
Lediglich für drei Wirkstoffe können der Kasse zufolge derzeit auf Grund von
Nachprüfungsverfahren noch keine Zuschläge erteilt werden. Für sieben
Wirkstoffe erhielt die AOK „keine zuschlagsfähigen“ Angebote, sie bleiben daher
in der neuen Rabattrunde vorerst unberücksichtigt. An der europaweiten
Ausschreibung hatten sich insgesamt 90 Bieter- und Bietergemeinschaften
beteiligt.
Influenza A/H1N1
Influenzapandemie - Überarbeitete Handlungsempfehlungen zu Schutzmaßnahmen in der Apotheke
23.12.2009
Die zusammen mit der BGW erstellte Handlungsempfehlung der Bundesapothekerkammer zum Thema "Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen in Apotheken während einer Influenzapandemie" sind überarbeitet worden. Das Dokument steht zum Download als word- und pdf-Datei auf der ABDA-Homepage unter
BERLIN – Die Entscheidung der
Schiedsstelle, wonach der Kassenrabatt für verschreibungspflichtige
Fertigarzneimittel von aktuell 2,30 auf 1,75 Euro pro Packung abgesenkt werden
soll, wurde vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit
„Bedauern“ zur Kenntnis genommen. Ein Verbandssprecher verwies darauf, dass
diese Entscheidung die Kassen zusätzlich mit Ausgaben in Höhe von 330 Millionen
Euro belasten würde. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich schwierigen
Situation habe man wenig Verständnis dafür, „dass die Einkommen der Apotheker
aus den Portemonnaies der Beitragszahler erhöht werden“. Der Spitzenverband
schließt dem Sprecher zufolge nicht aus, dass man gegen die Entscheidung der
Schiedsstelle Widerspruch einlegt.
Gesundheitsvorsorge
Gesundheitspreis 2010 der Stiftung Rufzeichen Gesundheit
22.12.2009
Gründer der Stiftung Rufzeichen Gesundheit ist Rolf Becker, der sich seit vielen Jahren für eine aktive Gesundheitsvorsorge engagiert. Auch im kommenden Jahr wird der Gesundheitspreis der Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! wieder ausgeschrieben. Für den mit 25.000 Euro dotierten, jährlich verliehenen Preis können sich Einzelpersonen, Projektgruppenund Institutionenbis zum 26. Februar 2010 bewerben oder vorgeschlagen werden.
In diesem Jahr wird der Preis für Arbeiten zum Thema „Metabolisches Syndrom“ vergeben. Der Begriff bezeichnet das gefährliche Zusammentreffen der vier Risikofaktoren Übergewicht, Bluthochdruck, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen und wird auch das „Tödliche Quartett“ genannt.
Eine auszeichnungswürdige Leistung muss einen wissenschaftlichen Ansatz aufweisen und praxisorientiert sein. Sie soll Modellcharakter haben, zeitlich aktuell sein und der besseren Prävention, Diagnostik, Therapie oder Nachsorge von Patienten mit Krankheiten aus dem Problemfeld Metabolisches Syndrom dienen. Der Preisträger wird vom wissenschaftlichen Beirat der Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! unter den eingegangenen Bewerbungen ausgewählt. Alle Informationen zu den Bewerbungsmodalitäten finden Sie unter
www.stiftung-rufzeichen-gesundheit.de.
Apotheken
Kassenabschlag soll sinken: Statt 2,30 nur noch 1,75 Euro
22.12.2009
BERLIN – Nach etlichen Verzögerungen
hat die Schiedsstelle entschieden: Der Kassenabschlag, den die Apotheken an die
gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) abzuführen haben, soll von 2,30 Euro
auf 1,75 Euro pro Arzneimittelpackung gesenkt werden. Diese Entscheidung würde
Deutschlands Apotheken rückwirkend für 2009 um rund 314 Millionen Euro
entlasten (Basis: 517 Millionen AM-Packungen). Das ergab eine Ad-hoc-Rechnung
der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Das Geld ist
allerdings noch nicht sicher. Grund: Die GKV kann gegen diese Entscheidung
Einspruch einlegen.
Die Verhandlungspartner, der
Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Spitzenverband der GKV, waren vor einem
Jahr (mit einer Absenkung um 60 Cent auf 1,70 Euro) bereits zu einem ähnlichen
Ergebnis gekommen. Begründung: Mit der Senkung des Abschlags solle insbesondere
der Mehraufwand honoriert werden, den die Rabattverträge verursachen. Aufgrund
einer Intervention des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) wurde die Einigung
letztendlich nicht besiegelt.
Seine damaligen Vorbehalte hat das
BMG-Referat Arzneimittelversorgung erst vor wenigen Tagen in einem Brief an die
Schiedsstelle erneuert (wir berichteten). Aus dem
GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz lasse sich, so der Briefschreiber, für die
Apotheken kein pauschaler Anspruch auf Kostendeckung ableiten. Sofern
Rabattverträge einen zusätzlichen Arbeitsaufwand verursachten, sei dieser
kassenindividuell bedingt und entsprechend auszuhandeln. Wie das BMG auf den
Schiedsspruch reagiert (obwohl es formal nicht involviert ist), bleibt
abzuwarten.
Politik
Gesundheitsminister stoppt elektronisches Rezept
21.12.2009
HANNOVER – Die Bundesregierung hält
an der Einführung der neuen Krankenversichertenkarte mit Lichtbild fest –
allerdings nur in einer abgespeckten Version. Das betonte
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) gegenüber der „Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung“. Rösler erklärte explizit, dass damit der Plan gestoppt
sei, mit Hilfe der Karte elektronische Rezepte abzuwickeln oder elektronische
Patientenakten anzulegen.
„Ich möchte, dass mir die Industrie
erst einmal nachweist, dass die gespeicherten Daten technisch sicher sind“,
begründete Rösler in dem Gespräch mit der Zeitung sein Vorgehen. Zugleich ließ
er wissen, dass die Industrie auf der Computer-Messe CeBIT 2010 (sie findet vom
2. bis 6. März statt) eine neue Karte vorstellen will.
Urteil
Doc Morris hatte keinen Anspruch auf Herstellerrabatt
18.12.2009
KASSEL – Erneute Pleite für die
Versandhandlung DocMorris: Das Bundessozialgericht (BSG) sprach am (gestrigen)
Donnerstag auch in einem zweiten Verfahren den Niederländern den Anspruch auf
Rückerstattung des sogenannten Herstellerrabatts ab. Diesmal hatte die Tochter
des Arzneihandelskonzerns Celesio, zu dem auch die Pharmagroßhandlung Gehe
gehört, AWD Pharma auf Rückzahlung des in § 130a Sozialgesetzbuch (SGB) V
geregelten Rabatts verklagt. Gegen die erste BSG-Entscheidung aus dem Jahr 2008
(zugunsten von Galderma Laboratorium) hat DocMorris bereits Beschwerde beim
Bundesverfassungsgericht eingelegt.
Um eine Rückerstattung der Rabatte
von den Herstellern verlangen zu können, so der 3. BSG-Senat, hätten die
Niederländer dem Rahmenvertrag nach § 129 SGB V beitreten oder sich durch
eigenständige Verträge in das Sachleistungssystem der gesetzlichen
Krankenversicherungen einbeziehen lassen müssen. Anders gebe es für „für die
Anwendung der Erstattungsreglung des § 130 SGB V keinen Raum“. Im Gegensatz zu
den Vertretern der Klägerin stellten die Richter in Kassel ausdrücklich fest,
dass diese Bedingungen kein europäisches Recht verletzten.
Service
Zuzahlungsbefreiungen laufen zum Jahresende aus
17.12.2009
BERLIN –Bestehende Zuzahlungsbefreiungen für
Arzneimittel laufen mit Ende des Kalenderjahres 2009 aus. Gesetzlich
versicherte Patienten sollten sich deshalb rechtzeitig bei ihren Krankenkassen
über Zuzahlungsbefreiungen für 2010 erkundigen. Darauf weist die
Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hin. Nur bei Vorlage eines
Befreiungsbescheids oder einem ärztlichen Vermerk auf dem Rezept muss in der
Apotheke keine gesetzliche Zuzahlung für Arzneimittel geleistet werden. Kinder
und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind allerdings
generell zuzahlungsbefreit.
Die persönliche Belastungsgrenze
lässt sich mithilfe des Zuzahlungsbefreiungsrechners im Internet auf Aponet.de
ermitteln. Nach Erreichen dieser Belastungsgrenze von zwei Prozent des
Jahresbruttoeinkommens (ein Prozent bei chronisch kranken Menschen) können sich
Versicherte befreien lassen. Einige Krankenkassen bieten diesen Service schon
jetzt für 2010 an: Dafür infrage kommende Patienten zahlen die errechnete
Belastungsgrenze dann als Vorauszahlung.