Aktuelles
 

Politik
Unterschiede bei Zugang zu Heilmitteln können gerechtfertigt sein 10.03.2010
 BERLIN – Die Bundesregierung vertritt die Auffassung, dass regionale Unterschiede im Zugang zu Heilmitteltherapien gerechtfertigt sein können. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen schreibt die Regierung, zu den regionalen Besonderheiten zählten unter anderen die Altersstruktur, die Geschlechterverteilung, die Arztdichte, der Fachärzteanteil und die Art und die Anzahl stationärer Einrichtungen.

Weiter heißt es, regionalen Besonderheiten könne am besten auf regionaler Ebene von den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen oder deren Landesverbänden Rechnung getragen werden. Die Grünen hatten unter Berufung auf den Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Dienstes der AOK dargelegt, dass etwa bei der Physiotherapie der Unterschied zwischen der Region mit der höchsten und der niedrigsten Behandlungszahl im Jahr 2008 das 3,21-Fache betragen habe.

Politik
Rösler will Arzneimittelkosten senken / Kritik von Union / Importquote könnte fallen 09.03.2010
BERLIN – Möglicherweise schon Mitte dieser Woche will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sein Konzept zur Eindämmung der Arzneimittelausgaben vorlegen. Ziel ist, den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) bei patentgeschützten Präparaten Einsparungen in einer Größenordnung von bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr zu verschaffen. Erreicht werden soll dies mit einem Mix aus kurz- und langfristigen Maßnahmen.

Demnach will Rösler die Einsparungen mit Hilfe eines Preismoratoriums und Zwangsrabatten erzielen. Daneben sei vorgesehen, bei der Markteinführung neuer Präparate Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Herstellern vorzuschreiben. Sollten diese scheitern, müsste das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine Kosten-Nutzen-Bewertung für das betreffende Medikament vornehmen.
Wichtig für Apotheken: In dem vom Bundesgesundheitsministerium anvisierten Konzept ist angedacht, Steuerungsinstrumente wie die Importquote fallen zu lassen – oder zumindest zu vereinfachen. Gleiches gilt für die Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei den Ärzten.

Gegenwind bekam Rösler nicht nur von den forschenden Pharmaherstellern und der Opposition, sondern auch vom gesundheitspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU). Er bezeichnete Röslers Konzept bereits vorab als „unausgegoren“ und kündigte eigene Vorschläge seiner Fraktion an.

Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (VFA) kritisierte: „Marktwirtschaft durch Planwirtschaft geht nicht.“ Yzer weiter: „Wir wollen, dass Kassen und Firmen viel stärker durch Verträge Versorgung und Erstattung regeln können und die staatliche Kosten-Nutzen-Bewertung nur dann zum Tragen kommt, wenn solche Einigungen nicht innerhalb von zwei Jahren gelingen.“

Gesundheitssystem
Arzneimittelpreise: Nachhaltigkeit statt Populismus 08.03.2010
BERLIN – Ankündigungen aus Koalitionskreisen, die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kurzfristig um eine Milliarde Euro zu senken sowie die Preisbildung im patentgeschützten Markt radikal umbauen zu wollen, haben zum Teil heftige Reaktionen in der pharmazeutischen Industrie ausgelöst.

„Die christlich-liberale Regierung betreibt eine Politik ohne Augenmaß: Hektische Reaktionen unter dem Druck der Antipharmalobby statt nachhaltiger Reformen des Gesundheitssystems“, reagiert Bernd Wegener, Vorsitzender des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), auf die öffentlich gewordenen Überlegungen. „Wieder wird undifferenziert so getan, als seien alle Pharmaunternehmen für die Finanzprobleme der GKV verantwortlich: Dabei kommen bei den Arzneimittelherstellern nach Abzug von Mehrwertsteuer und Aufschlägen für Großhandel und Apotheken gerade elf Prozent des GKV-Budgets an.“ Sparen bei der Pharmaindustrie – das lasse sich gut verkaufen, löse aber die Probleme nicht.

Wegener forderte nachhaltige strukturelle Reformen ein. Dazu habe sein Verband erst kürzlich ein Konzept vorgelegt. Das basiere auf Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Herstellern und stelle sicher, dass innovative Arzneimittel die Patienten nach der Zulassung sofort erreichten. Grundlage der Verhandlungen soll nach den Vorstellungen des BPI der Nutzen der Arzneimittel sein. „Wir fordern mehr Markt- und weniger Planwirtschaft im Gesundheitswesen“, so Wegener.

 Auch wenn im generischen Sektor aktuell offenbar keine weiteren Sparrunden bevorstünden, gebe es trotz der immer wieder thematisierten „extremen Belastungen zum Beispiel durch die Rabattverträge“ für die Hersteller keine Lichtblicke. Denn von einer Abschaffung der Rabattverträge und einer Reform des Festbetragssystems sei keine Rede – „nachhaltige Politik im Gesundheitswesen am Standort Deutschland sieht anders aus“ ergänzte der BPI-Chef.

Telematik
Röslers eGK-Prioritätenliste: Datenschutz, Praxistauglichkeit und Nutzen 03.03.2010
HANNOVER – Die Bundesregierung hat die elektronische Gesundheitskarte (eGK) nicht gestoppt. Sie hat einzig „der Datensicherheit“ sowie „dem Nutzen“ und „der Praktikabilität für die Anwender“ absolute Priorität eingeräumt. Das Moratorium für die eGK habe sich im Wesentlichen auf Funktionen wie die elektronische Patientenakte bezogen. Das erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) anlässlich der Eröffnung der TeleHealth, der Leitmesse für eHealth-Anwendungen im Rahmen der CeBIT in Hannover.

Rösler betonte in diesem Zusammenhang, beim Aufbau der Telematikinfrastruktur auch weiterhin schrittweise vorgehen zu wollen. Bei der eGK „konzentrieren wir uns zunächst auf ein modernes Versichertenstammdatenmanagement und die Notfalldaten. Gleichzeitig werden wir den Wunsch der im Gesundheitswesen Tätigen nach einer sicheren Kommunikationsinfrastruktur schnellstmöglich umsetzen“. Der zurzeit in Nordrhein-Westfalen begonnene Basis-Rollout der eGK könne weitergeführt und, wie von der Selbstverwaltung beschlossen, ausgeweitet werden.

Personalie
Sanacorp: Lang folgt Renner 02.03.2010
PLANEGG – Die Sanacorp hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Der Aufsichtsrat berief Herbert Lang an die Spitze der nach eigenen Angaben mit mehr als 7.500 Mitgliedern größten Apothekergenossenschaft in Deutschland. Lang tritt sein neues Amt zum 1. Juli 2010 als Nachfolger von Manfred Renner an. Der stand insgesamt 27 Jahre in den Diensten der Genossenschaft. Darüber hinaus beschloss der Aufsichtsrat ebenfalls einstimmig, das Mandat von Apotheker Christoph Mauz als Vorstandsmitglied zu verlängern. Er ist seit 1994 in dieser Funktion für das Unternehmen tätig.

Krankenkassen
Rabattverträge: Taschenspielertricks machen Auswahlmöglichkeit zur Farce 01.03.2010

BERLIN – Apotheken haben sich leidvoll daran gewöhnen müssen, dass die Umsetzung der Arzneimittelrabattverträge mit erheblichem bürokratischen Mehraufwand verbunden ist. Nun legte das BKK-Gemeinschaftsunternehmen spectrum|K noch die berühmte „Schippe drauf“. In einem Fax forderte es die Apotheken auf, „vorrangig das rabattierte Arzneimittel abzugeben, welches von dem wirtschaftlichsten Rabattvertragspartner angeboten wird“. Peter Schmidt, Geschäftsführer des Branchenverbandes Pro Generika, hat für diese Vorgehensweise nur einen Kommentar: „Letztlich macht spectrum|K damit die Grundidee seiner eigenen Rabattverträge zur Farce!“

 

Das BKK-Unternehmen hatte sich vor der Ausschreibung damit gerühmt, im Gegensatz zur AOK pro Gebietslos und Wirkstoff Verträge mit vier Partnern abzuschließen. Dadurch sei die Versorgungssicherheit gewährleistet und die Patienten könnten mit ihren Ärzten und Apothekern zwischen den Angeboten der vier Rabattpartner auswählen. Mit den nun einseitig aufgestellten Verfahrensregeln rudert spectrum|K wieder zurück. Für die Versicherten der 79 Betriebskrankenkassen, für die die Ausschreibung durchgeführt wurde, soll es nach Willen des Unternehmens trotz der möglichen Auswahl aus vier Produkten immer nur ein Arzneimittel geben: nämlich das Billigste.

 

Bei den Apotheken will spectrum|K mit seinem Faxanschreiben den Eindruck erwecken, sie seien aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebotes gehalten, diese Verfahrensgrundlagen umzusetzen. Nur wenn die billigsten Arzneimitteln nicht verfügbar seien oder die Produkte aus medizinischen und pharmazeutischen Gründen für die Patienten nicht in Frage kämen, sollten sie auf die drei anderen Rabattpartner ausweichen.

 

Schmidt begrüßte die klare und eindeutige Positionierung der Apothekerorganisationen in dieser Frage. So hat der Bayerische Apothekerverband (BAV) seine Mitglieder darüber informiert, dass sie nicht an die von spectrum|K festgelegte Rangfolge gebunden sind. Nach dem zwischen Apotheken und Krankenkassen abgeschlossenen Rahmenvertrag kann die Apotheke bei mehreren Vertragspartnern unter deren Produkten frei wählen. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hatte spectrum|K bereits im Vorfeld des Vergabeverfahrens eine übermäßige Beeinflussung der Apotheker vorgeworfen.

 

Das Vorgehen von spectrum|K ist für Schmidt umso unverständlicher, als der Dienstleister selbst die ursprünglich vorgesehene Klausel, die die Apotheken tatsächlich zu einer solchen Vorgehensweise verpflichtet hätte, wieder gestrichen hat, nachdem das Landessozialgericht Essen ausdrücklich Zuschläge an mehrere gleichberechtigte Partner erlaubt hatte. Der Pro Generika-Geschäftsführer forderte spectrum|K auf, sofort eine Kurskorrektur vorzunehmen. „Es ist unredlich, den eigenen Versicherten einerseits aus Marketinggründen vorzugaukeln, sie hätten mehr Wahlmöglichkeiten als AOK-Patienten, andererseits eben dieses Wahlrecht hinter dem Rücken der Versicherten aber wieder einzukassieren.“


Politik
Wolf heute im Bundesgesundheitsministerium 26.02.2010

BERLIN – Nächster Gast nach Krankenkassen und Pharmaindustrie bei Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ist Heinz-Günter Wolf, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Bei dem Gespräch am heutigen Freitag dürfte Wolf dem Minister insbesondere das „Garantiepreismodell“ der ABDA vorstellen. Es soll der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) jährliche Einsparungen von über 620 Millionen Euro ermöglichen. Das berichtet die „Ärzte Zeitung“ unter Berufung auf ABDA-Geschäftsführer Karl-Heinz Resch.

 

Das ABDA-Konzept sieht wirkstoffbezogene Preisobergrenzen vor, bis zu denen die GKV die Erstattung übernimmt. In Abwandlung des früheren „Zielpreismodells“ soll das „Garantiepreismodell“ aber auf Bundesebene verhandelt werden. Und im Gegensatz zu Rabattverträgen seien Garantiepreise, so Resch gegenüber der „Ärzte Zeitung“, ein „transparentes“ Konzept, „das zum Festbetragssystem passt“.


Politik
Regierung hat Verbot von Pick-up-Stellen weiter im Visier 25.02.2010

BERLIN – Auch wenn es um das ein oder andere gesundheitspolitische Vorhaben etwas stiller geworden ist: Die Koalition hält an ihrer Absicht fest, die sogenannten Pick-up-Stellen zu verbieten. Denn nach wie vor gehe es hier um Auswüchse des Versandhandels, die vom Gesetzgeber nicht gewollt sind. Dies wurde aus Regierungskreisen gegenüber diesem Dienst bestätigt. Die Tatsache, dass das Thema immer noch auf der Agenda steht, ist offenbar einer unterschiedlichen juristischen Einschätzung geschuldet. Insbesondere die Experten im Bundesjustizministerium, deren Haus derartige Vorhaben mitzutragen hat, sehen rechtliche Probleme – die dem Anschein nach bis hin zu Haftungsfragen reichen. Mit dem Thema Pick-up-Verbot wird sich gleichen Quellen zufolge die Regierungskommission befassen, die ab dem 16. März unter Vorsitz von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) tagt. Sie soll die Strukturen der geplanten Gesundheitsreform festlegen.


Politik
GKV-Finanzen: Regierungskommission nimmt Arbeit auf 24.02.2010
Vorlage Pressemitteilung NDC-Health

BERLIN – Die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Regierungskommission, die ein neues Finanzierungskonzept für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausarbeiten soll, nimmt ihre Arbeit auf. Am heutigen Mittwoch wird Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in der wöchentlichen Kabinettssitzung die Kommissionsmitglieder vorschlagen. Neben ihm selbst werden Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Familienministerin Kristina Schröder (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dem Gremium angehören. Die Kommission habe den Auftrag, so ein Sprecher Röslers, einen Vorschlag „zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung des Gesundheitswesens“ vorzulegen.


Arzneimittelmarkt
Deutsche zahlen Milliarden für Arzneifälschungen 17.02.2010

LONDON – In Europa setzen Arzneimittelfälscher jährlich gut 10,5 Milliarden Euro um. Zu diesem Ergebnis kommt eine in London veröffentlichte Studie, die vom Pharmakonzern Pfizer beim Nunwood-Institut in Auftrag gegeben worden war. In Italien konnten die Fälscher demnach illegale Waren im Wert von 3,6 Milliarden Euro verhökern. Auf Platz 2 folgte Deutschland mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro. In Spanien waren es 1,5 und in Frankreich immerhin noch 1,2 Milliarden Euro. Die größten Anteile entfielen der Studie zufolge auf Diätpräparate (45 Prozent), Grippemedikamente (35 Prozent) sowie Arzneimittel gegen Erektionsstörungen (25 Prozent).


Politik
Pick-up-Stellen: Kartellamtschef Mundt rügt „Klientelpolitik“ 16.02.2010

BONN – „Klientelpolitik zugunsten der Apotheker“ wirft der neue Chef des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt (49), der Bundesregierung vor. Der in Hamburg erscheinenden Zeitung „Financial Times Deutschland“ erklärte er es als „ärgerlich“ zu empfinden, „dass die neue Regierung die Pick-up-Stellen für Medikamente verbieten will“. Mundt weiter: „Hier werden die Apotheker unnötig geschützt – zum Schaden der Verbraucher. Das muss nicht sein. Im Ausland gibt es diese Restriktionen nicht, und es funktioniert gut.“

 

Diese Kritik erstaunt schon insofern, weil Mundt von der Regierung, deren Politik er jetzt attackiert, erst am 5. Februar zum obersten Kartellwächter der Republik ernannt wurde. Mehr noch: Mundt gehört – wie sein Vorgänger Bernhard Heitzer, heute Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium – der FDP an. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte den Beamten Mundt von 1992 bis 1999 als Referent an die Bundestagsfraktion der Liberalen ausgeliehen.


Hintergrund
Krankenkassen fordern teils zu Unrecht Zusatzbeiträge von Behinderten 15.02.2010

HANNOVER – Krankenkassen können von den Versicherten seit 2009 einen Zusatzbeitrag erheben. In den letzten Wochen haben daher einige Versicherte entsprechende Zahlungsaufforderungen von ihren Krankenkassen erhalten. Die Lebenshilfe Niedersachsen weist nun darauf hin, dass nicht alle, die jetzt aufgefordert werden, auch diesen Beitrag zahlen müssen.

 

Kersten Röhr, Geschäftsführer des Vereins, erinnerte in Hannover an die Regelung im Sozialgesetzbuch (SGB) XII, wonach Grundsicherungsempfänger keinen Zusatzbeitrag entrichten müssen. Dieser sei vom Kostenträger zu tragen. Auch Beschäftigte in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen hätten den Anspruch, dass die Werkstätten diesen Zusatzbeitrag für sie verauslagen und dann mit den Kostenträgern abrechnen.


Arzneimittel
Medikationswechsel durch Rabattverträge beeinträchtigt Patientengesundheit 12.02.2010

BONN – Ein durch Rabattverträge immer wieder veranlasster Medikationswechsel wirkt sich negativ auf den Gesundungsprozess von Patienten aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Marktforschungsinstituts IMS Health im Auftrag des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH). Verbandschef Hans-Georg Hoffmann stellte sie Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vor.

 

Bei den drei analysierten Therapiegebieten (Lipidsenker, Antidepressiva, Insuline) waren der Studie zufolge signifikante Veränderungen im Hinblick auf Compliance und Verträglichkeit der Präparate nach einem Verordnungswechsel zu beobachten. Dies hatte negativen Einfluss auf die Entwicklung bestimmter medizinisch relevanter Parameter, wie den Blutzucker- und den Cholesterinspiegel. Diese alarmierenden Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Rabattverträge nicht nur – wie bereits belegt und durch das Bundeskartellamt bestätigt – aus ökonomischer Sicht sondern auch aus medizinischer Sicht bedenkliche Nebenwirkungen haben, so Hoffmann.

 

Es wurden Therapiewechsel sowie Patienten- und Arztverhalten am Beispiel der Präparategruppen Lipidsenker, Antidepressiva und Insuline untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse in Kurzform:

 

Lipidsenker:

• 12,3 Prozent der Patienten werden nach einem rabattvertragsbedingten Präparatewechsel wieder auf das ursprüngliche Produkt umgestellt.

• Bei Fortsetzung der Simvastatin-Therapie mit einem rabattierten Produkt vergrößert sich der Verordnungsabstand um durchschnittlich zwölf Tage, das heißt die Präparate werden offensichtlich weniger regelmäßig eingenommen.

• Die Cholsterinsenkung bei Patienten, die rabattvertragsbedingt das Medikament wechselten, ist geringer als bei Patienten, die weiter mit den vertrauten Produkten behandelt werden.

 

Antidepressiva:

• 5,2 Prozent der Patienten haben Probleme mit dem rabattvertragsbedingten Wechsel, sie werden auf das ursprüngliche Produkt zurückgestellt.

• Fast die Hälfte der Antidepressiva-Patienten bekommen innerhalb des ganzen Jahres nach dem Produktwechsel keine Folgeverordnung der gleichen Substanz. Dies ist ein Indiz für einen kompletten Abbruch der Therapie. Bei zirka zwölf Prozent der Antidepressiva-Patienten unterbindet der Arzt von vorn herein den Produktwechsel, der durch den Rabattvertrag induziert wäre.

 

Insulin:

• Sechs bis sieben Prozent der Patienten haben Probleme mit dem rabattvertragsbedingten Wechsel und werden auf das ursprüngliche Produkt zurückgestellt.

• In der Patientengruppe, die auf das rabattierte Produkt umgestellt werden, steigt der Nüchtern-Blutzucker bereits innerhalb von drei Monaten drastisch.

 

Methodisch basiert die Untersuchung auf dem wissenschaftlich anerkannten IMS Disease Analyzer, der auf die Daten von über zwölf Millionen Patienten aus Praxiscomputern zugreift. Dabei werden repräsentative und valide Ergebnisse zu tatsächlichen Therapie- und Krankheitsverläufen gewonnen.


Politik
Rösler kündigt Konzept gegen hohe Arzneimittelpreise an 11.02.2010

BERLIN – Vor dem Hintergrund steigender Gesundheitskosten und der Ankündigung einiger gesetzlicher Krankenversicherungen (GKV) Zusatzbeiträge zu erheben, hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) seine Absicht bekräftigt, die Kosten für Arzneimittel zu senken. Im Anschluss an ein Treffen mit Vertretern der GKV kündigte er an, alsbald ein Konzept vorzulegen, das insbesondere bei innovativen Arzneimitteln zu einer langfristigen Preisstabilität führt. Darüber hinaus sei es in dem Gespräch auch um die Kosten-Nutzen-Bewertung gegangen.

 

Die Kassenfunktionäre, unter ihnen der Vizechef des GKV-Spitzenverbandes Bund, Johann-Magnus von Stackelberg, und der Chef des AOK-Bundesverbandes, Herbert Reichelt, lobten das Gespräch mit Rösler als „offen“ und „konstruktiv“. Zu den Vorschlägen, die sie zur Absenkung der GKV-Ausgaben gemacht hätten gehörte vor allem eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel auf sieben Prozent (Einsparung: zirka 2,5 Milliarden Euro), eine Beibehaltung des Apothekenrabatts in Höhe von 2,30 Euro pro Packung (Einsparung: über 300 Millionen Euro) sowie eine Reduzierung der Großhandelsspanne, die nochmals über 600 Millionen Euro bringen soll. Außerdem verlangten die Kassen, dass die Hersteller die Preise für neue Mittel nicht mehr frei festsetzen dürfen.


Arzneimittel
Arzneimittelfälschungen: Apotheken starten Pilotprojekt zur Authentifizierung von Packungen 10.02.2010

BERLIN – Die Apotheken starten in Deutschland ein Pilotprojekt zur Authentifizierung von Arzneimittelpackungen, um die Patienten künftig noch besser gegen Medikamentenfälschungen zu schützen. Das Projekt soll rund sieben Monate dauern und nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bundesweit zahlreiche Apotheken sowie rund 15 Pharmahersteller und den Großhandel einbeziehen.

 

Zum Einsatz soll ein Authentifizierungssystem der Firma Aegate kommen, das unter anderem in Belgien genutzt wird. Es funktioniert wie folgt: Eine eindeutige Seriennummer wird in einem 2-D-Datamatrixcode codiert und vom Hersteller (oder Großhandel) auf die Faltschachtel aufgedruckt oder aufgeklebt. Im Code enthalten sind auch Pharmazentralnummer (PZN), Chargennummer und Verfallsdatum. Zudem kann der Datenanbieter ABDATA aktuelle Informationen, wie Rückrufe, in die Software der Apotheken einspielen. Bei der Abgabe der Packung authentifiziert die Apotheke das Arzneimittel per Scan und Zugriff auf die Aegate-Datenbank. Patientenspezifische Daten werden dabei zu keinem Zeitpunkt gespeichert.


Apothekenmarkt
Paul-Ehrlich-Institut: Alternativen für Kinderimpfstoffe verfügbar 09.02.2010

LANGEN – Einige Kinderärzte, auch der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, beklagen einen momentanen Lieferengpass für einige Impfstoffe der Firma GlaxoSmithKline (GSK). Nach aktuellen Information des Unternehmens vom (gestrigen) Montag ist der Sechsfachimpfstoff Infanrix Hexa ab Montag kommender Woche (15. Februar) wieder lieferbar – und zwar rund 200.000 Impfstoffdosen, die in etwa einem Monatsbedarf dieses Impfstoffs entsprechen.

 

Neben dem Impfstoff Infanrix Hexa gab es auch bezüglich des Vierfach-Lebendvirusimpfstoff Priorix-Tetra Lieferengpässe. Infanrix Hexa wird bei Säuglingen und Kindern zur vorbeugenden Immunisierung gegen die Infektionskrankheiten Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und die vom Bakterium Haemophilus influenzae Typ B hervorgerufenen Krankheiten eingesetzt. Priorix-Tetra ist ein Kombinationsimpfstoff, der bei Säuglingen und Kindern angewendet wird, um den Infektionskrankheiten Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen) vorzubeugen.

 

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) verweist zudem als mögliche Alternative zur Überbrückung des Engpasses auf weitere in Deutschland zugelassene Kombinations- und Einzelimpfstoffe. Gegen Masern, Mumps und Röteln sind die Impfstoffe Priorix des Unternehmens GSK und M-M-RVAXPRO und des Unternehmens Sanofi Pasteur MSD verfügbar. Bezüglich der Windpockenkomponente kann der Einzelimpfstoff Varivax des Unternehmens Sanofi Pasteur MSD eingesetzt werden.

 

Zur Impfung gegen die sechs Krankheiten Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus influenza Typ b, Kinderlähmung und Hepatitis B mit möglichst wenigen Einzelimpfungen kann der Impfstoff Pentavac des Unternehmens Sanofi Pasteur MSD in Verbindung mit einem Hepatitis B-Einzelimpfstoff eingesetzt werden

 

Für die Zeit der Überbrückung kann zudem eine Priorisierung der Grundimmunisierung gegenüber der Auffrischimpfung erwogen werden. Für den Impfstoff Infanrix Hexa sollte die 1. und 2. Impfung prioritär vor weiteren Teilimpfungen erfolgen. Für die Masern-Mumps-Röteln-Windpocken-(MMRV)-Impfung kann die zweite Impfung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

 

Das PEI wies Berichte zurück, wonach experimentelle Prüfungen des Instituts zum Lieferengpass beigetragen hätten. Die Prüfungen des PEI werden in der Regel gleichzeitig mit den Prüfungen des Herstellers durchgeführt („parallel testing“), um zeitliche Verzögerungen der Freigabe von Arzneimittelchargen durch die behördliche Prüfung zu verhindern.

 

Als Zulassungs- und Prüfbehörde hat das PEI eigenen Worten zufolge „entscheidenden Einfluss darauf, ob, in welcher Qualität und mit welchem Nutzen-Risiko-Verhältnis Impfstoffe zugelassen werden beziehungsweise in Verkehr gebracht werden dürfen“. Welche Impfstoffe von den Herstellern entwickelt, zur Zulassung eingereicht und anschließend in Verkehr gebracht werden, entzieht sich dem Einfluss des Instituts.


Hintergrund
Kassenabschlag: IfH hält Lauterbach und Glaeske „Milchmädchenrechnung“ vor 08.02.2010

KÖLN – Jede dritte Apotheke in Deutschland steht gegenwärtig vor dem Aus. Dieses Resümee zieht das Institut für Handelsforschung (IfH) der Universität Köln aufgrund seines jährlich durchgeführten Betriebsvergleichs für Apotheken. Würden aktuelle Forderungen einiger Gesundheitsexperten durchgesetzt, könne mehr als die Hälfte der Apotheken nicht mehr rentabel arbeiten. Besonders gefährdet seien Apotheken auf dem Land.

 

Zurzeit machen 37 Prozent der 400 am Betriebsvergleich teilnehmenden Apotheken über das Jahr hinweg Verluste. Betroffen sind alle Apotheken unabhängig von ihrer Lage: in Städten und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern ebenso wie auf dem Land. Ihr dauerhafter Fortbestand ist unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten mehr als fraglich. „Legt man die Ergebnisse des Betriebsvergleichs als Abbild der deutschen Apothekenlandschaft zu Grunde, hat jede dritte Apotheke keine Überlebenschance“, fasst Markus Preißner vom IfH die Ergebnisse der aktuellsten Erhebung zusammen.

 

Vor dem Hintergrund der IfH-Erkenntnisse müssen Aussagen des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD, Karl Lauterbach, oder des Apothekenexperten der Universität Bremen, Gerd Glaeske, verwundern. Lauterbach sprach in einem Beitrag des ARD-Magazins „Report Mainz“ pauschal von „überflüssigen Gewinnen“ der Apotheken. Diese beziffert er auf „mindestens“ einer Milliarde Euro. Dem Betrag also, der in diesem Jahr von den gesetzlichen Krankenkassen in Form von Zusatzbeiträgen erhoben werden soll.

 

Glaeske sieht dies ähnlich und möchte die Apothekenvergütung um einen Euro auf 4,80 Euro senken. Dies gefährde nicht das angeblich „gute Auskommen“ der Apotheken. Eine betriebswirtschaftliche Begründung, wie Apotheken auf über 20 Prozent ihrer Vergütungspauschale verzichten können, liefert Glaeske nicht. Er verwies auf ein Gutachten aus dem Jahre 2002/03, einer Zeit also vor Inkrafttreten solch marktrelevanter Gesetze wie dem GKV-Modernisierungsgesetz (GMG), dem Arzneimittelverordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) und dem GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz (GKV-WSG).

 

Das IfH hat Glaeskes Vorschlag auf den Prüfstand gestellt. Es simulierte, wie sich eine Anhebung des Kassenabschlags auf die betriebswirtschaftliche Situation einzelner Apotheken auswirkt. Die Studie basiert auf Daten von 125 am Betriebsvergleich des IfH teilnehmenden deutschen Durchschnittsapotheken. Das Ergebnis der Simulationsrechnung ist erschreckend: Würde die Apothekervergütung auf 4,80 Euro abgesenkt, wäre jede zweite Apotheke (53 Prozent) unrentabel.

 

Dies hätte zwar nicht zwangsläufig eine Schließung aller betroffenen Apotheken zur Folge. Insgesamt aber würde das Apothekennetz enorm ausgedünnt; weiße Flecken entstünden vor allem auf dem Land. Mehr als jede dritte (35 Prozent) zuvor rentable Landapotheke wiese ein negatives Betriebsergebnis auf. Bei Stadtapotheken läge diese Quote bei 30 Prozent. In Städten wäre ein Rückgang der Apothekenzahlen leichter zu verkraften als auf dem Lande.

 

Neben möglichen Kosteneinsparungen müssen bei einer künftigen Reform auch die Konsequenzen bedacht werden, so das Fazit von IfH-Geschäftsführer Andreas Kaapke. Vor diesem Hintergrund seien von den Verantwortlichen „klare Worte und Sachverstand gefragt – keine Milchmädchenrechnungen!“


Arzneimittelmarkt
Arzneimittel 2009: Zahl abgegebener Packungen stagnierte 04.02.2010

BERLIN – Die Zahl der zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgegebenen Arzneimittelpackungen blieb 2009 gegenüber dem Vorjahr konstant. Mit plus 0,2 Prozent veränderte sich die Gesamtzahl nur unmerklich auf 736 Millionen Packungen. Auch die Rezeptzahl stagnierte: 450 Millionen GKV-Rezepte bedeutet ein Plus von 0,1 Prozent. Das errechnete die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Mit der konstanten Zahl abgegebener Arzneimittel stagniert auch das Apothekenhonorar, da die Arzneimittelpreisverordnung einen Festzuschlag pro Packung vorschreibt.

 

Die Ausgaben der GKV für Arzneimittel (ohne Impfstoffe) stiegen 2009 um 5,9 Prozent auf 27,3 Milliarden Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Diese Zunahme liegt im Rahmen der Planungen von GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Im Zuge ihrer Vorgaben (nach § 84 Sozialgesetzbuch (SGB) V) hatten sie für 2009 einen Anstieg der GKV-Arzneimittelausgaben von zunächst 6,6 Prozent, später von 5,6 Prozent eingeplant. Die Steigerung ist fast ausschließlich auf die so genannte Strukturkomponente zurückzuführen. Vom Ausgabenzuwachs profitieren im Wesentlichen die Hersteller patentgeschützter Arzneimittel.

 

In den genannten Zahlen sind die Einsparungen der GKV durch Rabattverträge nach § 130a SGB V nicht enthalten. Alle gesetzlichen Krankenkassen haben inzwischen Rabattverträge mit Herstellern geschlossen. Die Einsparvolumina werden jedoch nicht zeitnah veröffentlicht. Pro Jahr ist nach ABDA-Angaben kassenübergreifend allerdings von Einsparungen in Milliardenhöhe auszugehen.


Influenza A/H1N1
„Schweinegrippe“: 8,33 Euro für jede nicht verwendete Impfdose 03.02.2010

BERLIN – Die Bundesländer müssen für jede nicht verwendete Impfdose gegen die so genannte Schweinegrippe einen Verlust von 8,33 Euro einkalkulieren. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Demnach liegt der Preis pro Dose bei sieben Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Der Schaden insgesamt berechne sich „aus der Differenz zwischen bestellten – nunmehr 34 Millionen – und verimpften Dosen“, heißt es weiter.

 

Wann sie verlässliche Angaben zur Zahl der geimpften Personen machen kann, ließ die Regierung offen. Sie erwarte, dass sich die dem Paul-Ehrlich-Institut von den Ländern mitgeteilten Zahlen „mit der Zeit konsolidieren“, schreibt die Regierung. Sie verweist zudem darauf, dass das Robert-Koch-Institut regelmäßig telefonische Befragungen zum Monitoring der Impfung gegen die neue Influenza leiste. Der Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline erhalte insgesamt einen Kaufpreis in Höhe von 238 Millionen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

 

Zugleich macht die Regierung deutlich, dass der Bund der Forderung der Länder nicht nachkommen werde, das wirtschaftliche Risiko in Bezug auf nicht genutzte Impfdosen zu tragen. „Die Sicherstellung einer ausreichenden Verfügbarkeit von Impfstoff in einer Influenza-Pandemie ist eine Aufgabe der Länder“, heißt es in der Antwort. Für die Erfüllung ihrer Aufgaben trügen die Länder die entstehenden Ausgaben und damit auch das wirtschaftliche Risiko, dass nicht sämtliche Impfdosen verimpft und über die Krankenversicherungen refinanziert würden.

Politik
Beim Fiskus klingelt die Kasse: 4,35 Milliarden Euro Mehrwertsteuer auf Arzneimittel 02.02.2010

BERLIN – Trauriger Rekord bei den Arzneiausgaben: Mehr als 4,35 Milliarden Euro mussten die Krankenkassen 2009 aus den Beiträgen ihrer Mitglieder an den Fiskus abführen. Das sind erneut etliche Millionen mehr als noch ein Jahr zuvor. Obwohl sowohl die Zahl der abgegebenen Rezepte (plus 0,1 Prozent) als auch die Zahl der abgegebenen Packungen (plus 0,2 Prozent) zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2009 im Vergleich zu 2008 faktisch stagnierten, profitiert der Staat mehr denn je. Das ergaben Berechnungen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), die am (gestrigen) Montag in Berlin veröffentlicht wurden.

 

Die deutsche Apothekerschaft unterstützt deshalb die Forderung der Krankenkassen, durch eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel zu einer langfristigen Entlastung von mehr als zwei Milliarden Euro jährlich zu kommen. ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf: „Deutschland gehört zur europäischen Spitze bei der Steuerlast auf Medikamente. Das Einsparpotenzial ist enorm und könnte innerhalb kürzester Zeit gehoben werden – ohne Abstriche für die Versorgung der Menschen.“

Politik
Regierung wirbt für GKV-Zuschuss / Union kündigt Arzneimittel-Spargesetz an 01.02.2010

BERLIN – Die weiter steigenden Kosten im Gesundheitswesen sollen, wenn es nach der CDU/CSU-Bundestagsfraktion geht, mit einem auf die Arzneimittelausgaben zielenden Spargesetz eingedämmt werden. Wie der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, in der Zeitung „Die Welt“ ankündigte, sei in erster Linie an Kostenreduzierungen im Bereich patentgeschützter Medikamente gedacht. Der Generikamarkt gebe keine Einsparmöglichkeiten mehr her. Das Spargesetz soll zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten.

 

Nach bisherigen offiziellen Berechnungen dürfte die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) dieses Jahr mit einem Minus von 3,9 Milliarden Euro abschließen. Ohne den um knapp vier Milliarden (auf insgesamt 15,7 Milliarden) Euro aufgestockten Steuerzuschuss hätte sich der finanzielle Druck auf die gesetzlichen Krankenversicherung massiv erhöht. Darauf verwies der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), in der ersten Lesung des Sozialversicherungs-Stabilisierungsgesetz (SozVersStabG).


Apotheker
Gesundheitsminister Rösler setzt auf Apotheken 29.01.2010

BERLIN/ESCHBORN – „Das Leitbild des Apothekers oder der Apothekerin in der eigenen Apotheke garantiert die Sicherheit und die Qualität der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.“ Das erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) der „Neuen Apotheken Illustrierten“.

 

Rösler sieht in den Apotheken vor Ort zuverlässige Ansprechpartner in Gesundheitsfragen, zu denen die Menschen ein besonderes Vertrauensverhältnis haben und konstatiert: „Die Menschen wissen die Kundenorientierung und die Qualität der Apotheken zu schätzen.“ Gefragt nach der Zukunft der sogenannten Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen, die die Patienten oft verunsichern, sagt Rösler: „Rabattverträge sparen Geld ein und entlasten so den Versicherten. Aber wir müssen auch die Qualität der Versorgung und die Akzeptanz der Patientinnen und Patienten im Auge haben.“ Dabei setze das bisherige Verfahren auf die wichtige Rolle der Apotheken: „Sie beraten und informieren und helfen den Patienten, wenn sie Fragen zu den Arzneimitteln haben.“

 

Grundsätzlich seien auch die Krankenkassen gefragt zu prüfen, ob Verbesserungen im Verfahren möglich seien. Durch die wechselnden Vertragspartner der Krankenkassen bekämen Patienten oft wirkstoffgleiche, aber unterschiedlich aussehende Medikamente.

 

Rösler gibt Apotheken in Deutschland auch eine Bestnote, wenn es um die den Schutz vor Arzneimittelfälschungen geht: „Wer Arzneimittel in der Apotheke vor Ort kauft oder in einer zugelassenen Versandapotheke, der geht auf Nummer sicher.“

 

Das vollständige Interview ist in der Neuen Apotheken Illustrierten vom 1. Februar 2010 zu finden.


Apothekenmarkt
Mehr zuzahlungsbefreite Arzneimittel denn je 28.01.2010

BERLIN – Für Millionen Patienten gibt es gute Nachrichten: Mehr als 11.000 Arzneimittel sind von der gesetzlichen Zuzahlungspflicht befreit. Das sind 13 Prozent mehr Präparate als zu Beginn des Jahres 2009; damals waren weniger als 10.000 Packungen von der Zuzahlungspflicht befreit. Darauf weist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hin. Die Zuzahlungsbefreiungen gelten für die Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen, da die Arzneimittelpreise jeweils mindestens 30 Prozent unter dem Festbetrag liegen.

 

Die 11.262 zuzahlungsbefreiten Arzneimittel (Stand: 15. Januar 2010) entsprechen etwa einem Drittel derjenigen Medikamente, die Festbeträgen – Erstattungshöchstbeträge für Arzneimittel mit identischen oder vergleichbaren Wirkstoffen und Wirkungen – unterliegen. Derzeit sind von dieser Festbetragsregelung 30.803 Präparate betroffen. Vor Jahresfrist lauteten die entsprechenden Zahlen 9.965 und 29.126 (Stand: 15. Januar 2009). Die ABDA empfiehlt grundsätzlich allen gesetzlich versicherten Patienten, bei der Rezepteinlösung in der Apotheke nach zuzahlungsbefreiten Alternativen zu fragen. Eine aktuelle Liste dieser Arzneimittel ist unter www.aponet.de zu finden.

Umfrage
Zwei Drittel der Deutschen glauben, Gesundheitsreform wird ihnen nutzen 27.01.2010

BERLIN – In eine Reform des Gesundheitswesens setzen 70 Prozent der Deutschen die Hoffnung, dass sie ihnen persönlich nutzen wird. 46 Prozent befürchten aber, dass der Krankenkassenbeitrag in den nächsten Jahren weiter steigt. Das belegt eine repräsentative Umfrage zur gesundheitspolitischen Meinung der Menschen im Lande. Sie war von TNS Emnid im Auftrag des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller durchgeführt und am (gestrigen) Dienstag in Berlin vorgestellt worden.

 

Zu den weiteren aufschlussreichen Feststellungen gehört die Erkenntnis, dass 67 Prozent der Bürger sich mit dem Gesundheitssystem zufrieden zeigen, wogegen rund ein Drittel (32 Prozent) dies verneint. Während andererseits 76 Prozent das gegenwärtige medizinische Versorgungsniveau für gut befinden, kritisieren 58 Prozent, dass Patienteninteressen nicht ausreichend berücksichtigt würden.

 

46 Prozent sind der Meinung, dass der Zugang zu medizinischen Innovationen nicht ausreichend ist. 74 Prozent meinen, dass Geld verschwendet wird. Rund 65 Prozent vertreten die Auffassung, dass das Gesundheitssystem zu teuer und zu kompliziert ist. Und last but not least: 46 Prozent halten den Anspruch, allen Patienten die notwendige Behandlung zukommen zu lassen, für richtig, aber nicht bezahlbar.

Arzneimittelmarkt
Pfeiffer fordert höheren Kassenabschlag und weniger Verordnungen 26.01.2010

BERLIN – Obwohl der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) – zumindest offiziell – noch nicht darüber entschieden hat, ob er gegen die Absenkung des Kassenabschlags Widerspruch einlegt, ließ Verbandschefin Doris Pfeiffer schon einmal wissen, wohin die Reise gehen soll, wenn es nach ihr geht.

 

Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte sie zu diesem Themenkomplex: „Der Abschlag, den die Kassen auf die Herstellerpreise bekommen, könnte ebenso erhöht werden wie der Rabatt, den die Kassen pro Packung bei den Apotheken erhalten. So gibt es einige Punkte, mit denen man unter dem Strich ein paar hundert Millionen Euro sparen könnte. Wir müssen aber auch über die Qualität der Arzneimittelverordnungen reden. Es wird zu viel verschrieben in Deutschland.“


In einem weiteren Interview, im „Deutschlandfunk“, plädierte Pfeiffer für ein Ausgabenmoratorium für Arzneimittel und Ärztehonorare. Gleichzeitig zeigte sie sich überzeugt, dass spätestens bis Anfang 2011 alle GKV-Mitglieder Zusatzbeiträge zahlen werden müssen.


Politik
Rösler will IQWiG-Stellung stärken 25.01.2010

BERLIN – Angesichts der Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sich „die Ausgabenseite sehr genau anschauen“. Wie der FDP-Politiker gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erklärte, gebe es nicht zuletzt bei den Arzneimittelpreisen Handlungsbedarf.


Rösler sieht eigenen Worten zufolge eine seiner Aufgaben darin, auf eine effiziente Verwendung der Beitragsgelder zu achten. Das sei bislang nicht immer der Fall. Auf die Arzneimittelausgaben eingehend forderte er, künftig bei jedem Medikament exakt zu prüfen, ob Nutzen und Kosten im angemessenen Verhältnis zueinander stünden. Hierzu sei die Stellung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu stärken.


Politik
Rösler: Zusatzbeiträge sind „Geburtsfehler“ / Arzneimittelmarkt wird dereguliert 22.01.2010

BERLIN – „Bloße Kostendämpfungsgesetze halten wir für den falschen Weg“, erklärte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am (gestrigen) Donnerstag in der Haushaltsdebatte des Bundestages. Er kündigte an, jeden Sektor im Gesundheitswesen darauf überprüfen zu wollen, ob mit den Beitragsgeldern effizient umgegangen werde.

 

Dazu müssten alle Seiten „echte Anreize und mehr Möglichkeiten“ bekommen, sich wirtschaftlich zu verhalten. „Wir brauchen ein faires System, das sich nicht anmaßt, alles vorzuschreiben“, betonte der Minister. Er lehnte es ab, sich an Diskussionen über Rationierung und Priorisierung zu beteiligen. Rösler bezeichnete in diesem Zusammenhang die Zusatzbeiträge, die viele Versicherte alsbald zahlen müssten, als einen „Geburtsfehler“, den es zu beseitigen gelte.

 

Johannes Singhammer, als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den Bereich Gesundheit zuständig, kündigte drei gesundheitspolitische Vorhaben der Koalition an: Ein Gesetz zur Deregulierung des Arzneimittelmarktes, der aktuell von über zwei Dutzend Steuerungsinstrumenten überzogen werde. Eine Entbürokratisierung der ärztlichen Versorgung sowie eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

 

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner kritisierte, dass Röslers Vorstellungen auf eine Umverteilung von unten nach oben hinausliefen. Und wie der von ihm propagierte Sozialausgleich für die Beitragszahler aussehen solle, wisse noch niemand, zumal erst einmal festgestellt werden müsste, wer überhaupt bedürftig sei.

 

Bündnis ‘90/Grüne unterstellte Rösler „Unehrlichkeit“ und warf ihm vor, die private Krankenversicherung ebenso wie die Pharmaindustrie zu begünstigen. Aus Sicht der Linken treibt die bürgerliche Koalition mit ihrer Gesundheitspolitik die „Spaltung der Gesellschaft“ voran.


Sondermeldung
Erika Fink wiedergewählt 20.01.2010
Frau Erika Fink ist die alte und neue Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Am heutigen Tage wurde sie erneut zur Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen gewählt. Frau Fink ist Inhaberin der Grüneburg-Apotheke in Frankfurt am Main und Präsidentin der Bundesapothekerkammer.
 
Zum Vizepräsident wurde der Krankenhausapotheker Dr. Manfred Schmall gewählt, der dem Vorstand der Kammer bereits seit vielen Jahren angehört. Die weiteren Vorstandsmitglieder sind: Dr. Dieter Steinbach, Bad Homburg; Ursula Funke, Wiesbaden; Klaus LangHeinrich, Frankfurt; Dr. Cora Menkens, Bad Homburg und Dr. Alexander Bootz, Frankfurt.
 
Frau Fink führte in ihrer Antrittsrede aus, die pharmazeutische Leistung der Apothekerinnen und Apotheker müsse in der Öffentlichkeit noch besser dargestellt werden. Es sei Aufgabe der Apothekerinnen und Apotheker, für die Bevölkerung niederschwellige Beratungs- und Hilfsangebote zu machen. Auf politischer Ebene müsse weiter gegen „ordnungspolitische Sündenfälle“, wie beispielsweise Pick-up-Stellen, vorgegangen werden. Die Apotheke sei gelebter Verbraucherschutz, dies werde in der Politik immer mehr begriffen.

Apotheken
Kassenabschlag: Rechenzentren stellen auf 1,75 Euro um 20.01.2010
BERLIN – Der von 2,30 auf 1,75 Euro reduzierte Kassenabschlag soll ab sofort umgesetzt werden. Das berichtet die „Deutsche Apothekerzeitung“ (DAZ) in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf den Deutschen Apothekerverband (DAV). Wie ein Verbandssprecher erklärte, hat der DAV die Apothekenrechenzentren gebeten, ab dem 1. Januar 2010 mit dem neuen Abschlag zu rechnen.

Die von DAV und GKV-Spitzenverband eingerichtete Schiedsstelle hatte am 21. Dezember letzten Jahres entschieden, dass der Kassenabschlag, den die Apotheken je verordneter Arzneimittelpackung an die GKV zu zahlen haben, rückwirkend ab 1. Januar 2009 auf 1,75 abzusenken ist. Der GKV-Spitzenverband  hat bislang noch nicht entschieden, ob er den Schiedsspruch akzeptiert. Da der DAV nun Fakten geschaffen hat, will der Verband prüfen, ob er dagegen vor Gericht zieht.

Der DAZ zufolge empfiehlt der DAV daher den Apothekern mit ihren Steuerberatern Rücksprache zu halten, ob und in welcher Höhe sie Rücklagen bilden sollten.

Apotheken
2009: Weniger Packungen – höherer Umsatz 18.01.2010
BERLIN – Trotz schwachen Jahresbeginns hat der Umsatz auf dem deutschen Apothekenmarkt im vergangenen Jahr um knapp 900 Millionen auf rund 24,7 Milliarden Euro zu Abgabepreisen der pharmazeutischen Unternehmer zugelegt. Das Wachstum erreicht mit 3,7 Prozent somit in etwa das Niveau der Vorjahre, in denen es bei 4,3 (2008) beziehungsweise 4,4 Prozent (2007) lag. Das berichtet der Informationsdienstleister Insight Health, Waldems-Esch.

Mit diesem Ergebnis konnte bis weit ins abgelaufene Jahr nicht gerechnet werden. Schließlich hatte der Markt nach sechs Monaten gerade einmal ein Plus von 1,4 Prozent aufzuweisen. Schlug das dritte Quartal mit einem Umsatzzuwachs von immerhin schon knapp fünf Prozent zu Buche, legte der Umsatz in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres gar um sieben Prozent zu. Damit entfiel mit einem Plus von rund 420 Millionen Euro fast die Hälfte des gesamten Umsatzzuwachses 2009 auf das letzte Quartal.

Die Menge der abgegebenen Packungen ging über das gesamte abgelaufene Jahr um 0,5 Prozent (minus acht Millionen Packungen) zurück, obwohl auch hier im letzten Quartal ein marginales Plus (von 0,2 Prozent) zu verzeichnen war. Das zeigen aktuelle Zahlen, die Insight Health sowohl auf Basis der Großhandelseinkäufe der öffentlichen Apotheken als auch der direkt vom Hersteller in die Apotheken gelieferten Präparate ermittelt hat.

Wie schon seit Jahresbeginn 2009 beobachtet, war die Umsatzsteigerung auf dem deutschen Apothekenmarkt zu großen Teilen den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu verdanken. Sie verzeichneten nach einem Plus von gut zwei Prozent im ersten Halbjahr im letzten Quartal einen Zuwachs von 8,1 Prozent und erreichten damit über das Gesamtjahr gesehen ein Plus von 4,5 Prozent. Die Umsatzbedeutung der verschreibungspflichtigen Präparate für die Apotheken erhöhte sich weiter; 2009 betrug ihr Anteil rund 82 Prozent der Erlöse, nachdem er ein Jahr zuvor noch bei 81,3 Prozent gelegen hatte.

Dabei fällt auf, dass inzwischen 42,8 Prozent des Umsatzes auf Präparate aus den zehn umsatzstärksten Indikationsgruppen entfallen. Dazu zählen zum Beispiel Antidiabetika, Mittel zur Behandlung von Herz-/Kreislauferkrankungen, Schmerzmittel und Immunsupressiva.

Während der Umsatz der verschreibungspflichtigen Arzneimittel auf dem deutschen Apothekenmarkt stabil zulegte, gingen 2009 die Umsätze bei den apothekenpflichtigen Arzneimitteln um 1,5 Prozent zurück. Der Rückgang bei diesen Präparaten, die nicht vom Arzt verschrieben werden müssen, aber nur über Apotheken abgegeben werden dürfen, ist nach Auffassung von Insight Health vornehmlich auf die Entwicklung im Versandhandel zurückzuführen. Das bestätigen Zahlen des Kooperationspartners AC Nielsen, nach denen der Umsatz mit diesen Arzneimitteln bei den Versandapotheken im vergangenen Jahr um 25 Prozent zugelegt habe.

Arzneimittelversorgung
Viele Apotheken bieten Botendienst auch bei Schnee und Eis an 15.01.2010
BERLIN – Wenn sich ältere und kranke Patienten bei Schnee und Eis nicht auf die Straße wagen, kann ihnen der Botendienst vieler Apotheken die Arzneimittel nach Hause liefern. Auf diesen besonderen Service macht Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) aufmerksam. „Wer sich wegen der Glätte nicht aus dem Haus traut, sollte seine Stammapotheke anrufen und fragen, ob und wann die Arzneimittel per Botendienst geliefert werden können“, empfiehlt ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt. Der Botendienst (Bringdienst, Home Service) gehört zum Leistungsspektrum vieler Apotheken zwischen Usedom und Schwarzwald. Zahlreiche der 21.600 Apotheken in Deutschland bieten den Botendienst längst ganzjährig an.

 


Apotheken
BAK aktualisiert Leitlinie zur Versorgung von Bewohnern in Pflegeheimen 14.01.2010
BERLIN – Die Bewohner von Pflegeheimen werden von wohnortnahen Apotheken individuell MIT Arzneimitteln und Medizinprodukten versorgt. Damit diese Leistung dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht, hat die  Bundesapothekerkammer (BAK) ihre entsprechende Leitlinie überarbeitet.

Wird in der Apotheke die Medikation individuell dokumentiert, empfiehlt die BAK, der Lieferung einen aktuellen Medikationsplan beizulegen. Damit verbessert sich die Arzneimittel-Therapiesicherheit (AMTS), weil der Apotheker gleichzeitig mögliche Wechselwirkungen berücksichtigt. Die Apotheke informiert das Pflegepersonal auch, wenn wegen Lieferverträgen andere als die verordneten Präparate abgegeben werden müssen. Zu den Leistungen der heimversorgenden Apotheke gehört im Bedarfsfall ebenso die kurzfristige Versorgung außerhalb der Öffnungszeiten über den Apothekennotdienst.

Die Leitlinien der BAK sind Handlungsempfehlungen und umfassen ausführliche Kommentare und Arbeitshilfen. Sie richten sich an alle Berufsangehörigen mit dem Ziel, die Qualität der pharmazeutischen Leistungen ständig zu verbessern. Derzeit veröffentlicht die BAK Leitlinien für 15 verschiedene apothekerliche Aufgabengebiete.

Politik
Schweinegrippe: Länder müssen nur 34 Millionen Impfdosen abnehmen 13.01.2010
HANNOVER – Statt der ursprünglich bestellten 50 Millionen Dosen Impfstoff werden die Bundesländer nur 34 Millionen Dosen abnehmen. Auf diesen Kompromiss habe man sich mit dem Hersteller Glaxo-Smith-Kline geeinigt, erklärte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Niedersachsens Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU), in Hannover. Mit der Stornierung von rund einem Drittel sparen die Bundesländer nach Angaben der Ministerin 133,3 Millionen Euro.

Nach vorliegenden Erkenntnissen dürften die Länder selbst dann noch auf einem Großteil der nun deutlich reduzierten Impfstoffmenge sitzen bleiben, wenn eine zweite Grippewelle Deutschland erfasst. Was Ross-Luttmann nur indirekt einräumte: Die Art und Weise, wie insbesondere Politik und Medien mit dem Thema Pandemie umgingen, hat Akzeptanz gekostet und war der Impfbereitschaft der Bürger nicht förderlich. Die Politikerin verwies jedoch zu Recht darauf, dass Impfungen „immer noch der einzig wirksame Schutz der Menschen vor den Gefahren der neuen Influenza sind“.

Hintergrund
IfH: Sachverständigenrat irrt – es gibt kein Apothekenmonopol! 12.01.2010
KÖLN – Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland kritisiert in seinem Jahresgutachten 2009/10 das Fremd- und Mehrbesitzverbot von Apotheken (dieser Dienst berichtete). Nach Ansicht des Rates würden Apothekenketten den Wettbewerb bei der Distribution von Arzneimitteln stimulieren und so zur Effizienzsteigerung beitragen. Das Institut für Handelsforschung (IfH) der Universität zu Köln bemängelt diese Aussagen als „unzureichend “ fundiert.

Der Sachverständigenrat geht in seinem Gutachten davon aus, dass bei Apotheken kein nennenswerter Wettbewerb bestünde. Es mag zwar einzelne Gebiete geben, so das IfH, in denen nur eine Apotheke ansässig sei und von daher nur geringer Wettbewerb herrsche. Dass dort jedoch keine zweite Apotheke angesiedelt sei, könne auch Ausdruck von Wettbewerb sein. In aller Regel habe eine Marktanalyse ergeben, dass eine weitere Apotheke in dem entsprechenden Gebiet keine hinreichende Marktchance besäße.

Die Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes würde nach Ansicht des Sachverständigenrates den Wettbewerb auf der Apothekenebene beleben und so zur Senkung der Arzneimittelausgaben beitragen. Als Beleg führen die Sachverständigen die Ergebnisse der Deregulierung des Marktes für Telekommunikation an.

Nach Auffassung des IfH ist dies eine „nicht hinreichende“ Begründung. So agierten die über 21.000 Apotheken in Deutschland auf einem polypolistischen Markt, auf dem viele Anbieter auf viele Nachfrager träfen, während der Markt für Telekommunikation vor seiner Deregulierung eine monopolistische Struktur aufwies. Folglich sei es wenig sinnvoll, die aus dem Übergang vom monopolistischen zum oligopolistischen Telekommunikationsmarkt erzielten wettbewerblichen Effizienzsteigerungen eins zu eins auf den polypolistischen – und damit den per Definition wettbewerbsintensiveren – Apothekenmarkt zu übertragen.

Der Sachverständigenrat unterstellt ferner, dass mehr Wettbewerb auf der Apothekenebene per se zu Effizienzsteigerungen beziehungsweise zu niedrigeren Preisen führt. Dies setzt voraus, dass mehr Wettbewerb zu niedrigeren Kosten und/oder niedrigere Preise zu höheren Absatzmengen führen (können).

Die für diese Zusammenhänge maßgebenden Mechanismen gelten für Apotheken und den Absatz von Arzneimitteln aber nur sehr eingeschränkt, urteilt das IfH. So ließen sich die aus anderen Branchen bekannten Kostensenkungs- und Marketingkonzepte nicht uneingeschränkt auf den Apothekenmarkt übertragen. Grund hierfür seien vor allem die hohen Anforderungen beim Raum- und Personaleinsatz in der Apotheke sowie die Besonderheiten von Arzneimitteln und die starke Abhängigkeit der Marktnachfrage von externen Gegebenheiten.

Beispielsweise träten Apotheken im Bereich der verschreibungsfähigen Arzneimittel aufgrund des Kontrahierungszwangs als Vollsortimenter auf; eine aus dem Discountbereich bekannte und kostensparende Begrenzung des Sortiments auf Schnelldreher scheide also aus. Gleiches gelte für die Umsetzung des Selbstbedienungsprinzips und die Wahl der Geschäftsfläche. Auch in diesen beiden Bereichen ist die Handlungsautonomie des Apothekers stark eingeschränkt. Zudem ließen sich bei Arzneimitteln Umsätze im Regelfall nicht marketingpolitisch steuern. Vielmehr hängen diese stärker als in den meisten anderen Branchen vom Standort einer Apotheke und der dortigen Verschreiber-, Bevölkerungs- und Wettbewerbssituation ab.

Abgesehen von wettbewerblichen Aspekten werde oftmals unterstellt, dass Kettenapotheken generell Effizienzvorteile gegenüber einzelbetriebenen, inhabergeführten Apotheken aufwiesen. Das IfH hat dies für die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die Bildung von Apothekenketten kaum zu Einsparungen führen würde.

So lasse sich beispielsweise beim Personaleinsatz als bedeutendstem Kostentreiber in der Apotheke – anders als in vielen anderen Branchen – aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, der hohen Beratungs- und Dienstleistungsintensität sowie des zumeist ungleich verteilten und schwerlich zu prognostizierenden Kundenaufkommens nur ein geringfügiges Einsparpotenzial identifizieren.

In besonderer Weise gelte dies im Hinblick auf den Einsatz pharmazeutischer Fachkräfte. Ob als Einzelbetrieb oder als Kettenapotheke: Die Apotheke würde ihre Funktion als pharmazeutisches Fachgeschäft in Frage stellen, wenn sie beim Personal sparen wollte. Demnach wären Einsparungen im Bereich des pharmazeutischen Personals durch die Bildung von größeren Filialsystemen lediglich durch die Koordination von Ausfällen, Notdienst- sowie Urlaubszeiten und beim Filialleitergehalt denkbar.

Auch bei den administrativen Back-Office-Vorgängen wäre kaum mit nennenswerten Einsparungen zu rechnen, da sich der Warenfluss in einer inhabergeführten Apotheke nicht signifikant von dem in einer Filialapotheke unterscheide. Lediglich bei der Warenbeschaffung erscheinen größere Einsparungen möglich. Diese beschränkten sich aber auf das nicht-verschreibungspflichtige Sortiment, auf das jedoch nur rund 20 Prozent des Apothekenumsatzes entfielen.

Fazit:

Das IfH schließt sich den Aussagen des Sachverständigenrates zum Fremd- und Mehrbesitzverbot von Apotheken im Jahresgutachten 2009/10 nicht an. Kritisch zu bewerten sei nach Ansicht des IfH vor allem eine augenscheinlich zu enge Definition der Sachverständigen von Wettbewerb sowie eine unzureichende Fundierung ihrer Schlussfolgerungen und Forderungen. Zudem hätten die Sachverständigen Angaben zur Höhe der Einsparpotenziale vermieden.

Krankenversicherung
Zeitung: GKV-Minus 2,5 Milliarden geringer 11.01.2010
DÜSSELDORF – Die aufgrund der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise veranschlagte Deckungslücke im Gesundheitsfonds in Höhe von 3,9 Milliarden Euro dürfte spürbar geringer ausfallen als erwartet. Der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt hatte im Dezember 2009 ein Minus von 7,8 Milliarden Euro prognostiziert. Abzüglich der von der Bundesregierung zugesagten Finanzspritze haben die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) daher bislang mit einem Defizit von 3,9 Milliarden für das laufende Jahr rechnen müssen.

Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) für das „Handelsblatt“ zeigen nun: Den Kassen dürften am Ende lediglich 1,4 Milliarden Euro fehlen. Sollte dies zutreffen, könnte der Bundeszuschuss um 2,5 Milliarden Euro reduziert werden. Grund für diese positive Entwicklung: Der Arbeitsmarkt blieb 2009 weit stabiler, als vorhergesagt.

Die Einschätzung des IfW teilt wohl auch das Bundesgesundheitsministerium. Dort geht man davon aus, dass die Kassen von ihrer Ankündigung, zur Ausgabendeckung 2010 Zusatzbeiträge erheben zu wollen, mehrheitlich keinen Gebrauch machen. Das zumindest wurde in einer Antwort des Ministeriums auf eine entsprechende Anfrage der Bundestagsfraktion B’90/Grüne deutlich.

Apotheken
„Bleiben Sie fit!“: Apothekenspot bundesweit im Kino 07.01.2010
BERLIN – Auf mehr als 700 Leinwänden werden Kinobesucher deutschlandweit in den kommenden Wochen auf die bevorstehenden Olympischen und Paralympischen Wettbewerbe eingestimmt. Unter dem Motto „Die Winterspiele sind eröffnet!“ zeigt ein 30-sekündiger Kinospot ungewöhnliche Sportlerinnen und Sportler in überraschender Umgebung.

Der Spot betont, dass Sport und Bewegung wichtig sind für Fitness und Gesundheit – und ganz nebenbei Spaß machen. So dreht eine ältere Dame ihre Pirouetten auf einer Eisfläche im Kinderplanschbecken, eine Mutter „curlt“ mit ihrem Sohn im Wohnzimmer um die Wette, und ein mutiger Mittvierziger inszeniert auf einem Kinderspielplatz seine ganz persönliche Fortsetzung der Vierschanzentournee.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) als Spitzenorganisation der Apothekerschaft ist Co-Partner der deutschen Olympiamannschaft und Nationaler Förderer des Deutschen Behindertensportverbandes. Die bundesweit auch in vielen tausend Apotheken in dieser Woche gestartete Kampagne „Die Winterspiele sind eröffnet!“ kombiniert die Themen Fitness und Prävention mit Fragen rund um Gesundheit und Arzneimittel.

In Apotheken in ganz Deutschland sowie im Internet auf www.abda.de können Patienten und Kunden ab sofort an einem wintersportlichen Gewinnspiel teilnehmen: Der Preis ist eine Reise für zwei Personen zu den Paralympischen Winterspielen vom 12. bis 21. März 2010 in Vancouver.

Krankenkassen
Fusion von DAK und HMK erfolgreich abgeschlossen 06.01.2010
HAMBURG – Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) und die Hamburg Münchner Krankenkasse (HMK) haben ihre Fusion am (gestrigen) Dienstag abgeschlossen. Die DAK zählt damit nach eigenen Angaben 6,4 Millionen Versicherte und 4,8 Millionen Mitglieder. Beide Kassen hatten schon vor ihrem Zusammenschluss eng kooperiert. So schlossen sie zum Beispiel gemeinsam Versorgungsverträge ab und arbeiteten im IT-Bereich eng zusammen.

Vorsitzender des Verwaltungsrates ist auch künftig Hans-Peter Stute. Die DAK wird – anders als die meisten großen Kassen – weiterhin von einem zweiköpfigen Vorstand geführt. Als Vorstandsvorsitzender wurde Herbert Rebscher und als stellvertretender Vorstandeschef Claus Moldenhauer im Amt bestätigt.

Politik
Patientenbeauftragter Zöller: GKV-Budgetierung nicht mehr tragbar 04.01.2010
BERLIN – Eine Abschaffung der Budgetierung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fordert der neue Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller. Der CSU-Bundestagsabgeordnete erklärte dem in München erscheinenden Nachrichtenmagazin „Focus“, dass die Ärzte auch für Kassenpatienten erbrachte Leistungen bezahlt bekommen müssten. Zudem würde eine Abschaffung der Deckelung dazu führen, dass GKV-Versicherte auf Facharzttermine nicht mehr länger warten müssten als Privatversicherte.

Gleichzeitig verlangte Zöller Anreize dafür zu schaffen, dass sich künftig mehr Ärzte in ländlichen Regionen niederließen. Außerdem kündigte er ein Patientenrechtegesetz an. Es dürfe nicht sein, so der Unions-Politiker, dass Patienten zum Teil „notwendige Hilfen wie Bittsteller einklagen müssten“. Noch im Januar werde Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) mit Experten seines Hauses in Klausur gehen, um hier Lösungen zu finden.

Politik
GKV-Finanzen: Rösler lehnt Arzneimittelsparpaket ab 30.12.2009
BERLIN – Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt es ab, die maroden Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit einem neuen Arzneimittelspargesetz sanieren zu wollen. Gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ erklärte er dazu: „Die Vorgängerregierung hat eine Vielzahl von Regelungen gerade im Arzneimittelbereich beschlossen – ohne dass es dadurch zu einer dauerhaften Entlastung der Krankenkassen gekommen ist.“

Rösler konkretisierte seine Kritik am Beispiel der Gesundheitsreform des Jahres 2004*. Damals seien die Ausgaben nach Ausgrenzung der rezeptfreien Arzneimittel aus dem Leistungskatalog von 24 auf etwa 22 Milliarden Euro zurückgegangen. Allerdings hätten sie im Jahr darauf schon bei 25 Milliarden Euro gelegen. „Das zeigt: So lassen sich Probleme nicht lösen.“ Als Konsequenz aus diesen immer wieder gescheiterten Sparversuchen wolle er „die Dinge grundsätzlicher angehen“.

Der FDP-Politiker versicherte den in Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“ an seiner Linie festhalten zu wollen, im Zuge der geplanten Gesundheitsreform eine übermäßige Belastung der Versicherten zu vermeiden. Das behutsame Umsteuern biete zudem den Vorteil, „dass die finanziellen Mittel aus dem Bundeshaushalt, die wir für den sozialen Ausgleich benötigen, auch bereitgestellt werden können“.


• Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG):
Neben der Einführung einer Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal werden im Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) sowohl Entbindungs- als auch Sterbegeld endgültig gestrichen. Die bis dahin pauschalisierte Selbstbeteiligung an Arznei- und Hilfsmitteln beträgt nun jeweils 10% der jeweiligen Kosten, minimal jedoch 5 Euro und maximal 10 Euro. Die Belastungsobergrenze für Zuzahlungen wird allgemein auf 2% des jährlichen Bruttoeinkommens festgelegt (1% bei chronisch Kranken). Die Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalten wird auf 10 Euro pro Tag erhöht. Fahrtkostenzuschüsse und die Krankenkassenleistungen bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten werden ersatzlos gestrichen.

Pharmaindustrie
VFA: Medizinischer Forschritt durch 37 Medikamente mit neuen Wirkstoffen 29.12.2009
BERLIN – „37 Medikamente mit neuen Wirkstoffen haben Pharmaunternehmen 2009 auf den Markt gebracht. Das ist die höchste Zahl seit 1997“, konstatierte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA), in ihrer Bilanz des zu Ende gehenden Jahres 2009.

Die 37 Medikamente mit neuen Wirkstoffen verteilen sich auf folgende medizinischen Gebiete: Krebs (7 Präparate), Stoffwechselkrankheiten (7), Infektionen (6), Immunkrankheiten (6), hämatologische Erkrankungen (4), Herz-Kreislauf-Krankheiten (2), Krankheiten des Nervensystems (2), Atemwegserkrankungen (1), Sexualstörungen (1) und Verhütung (1).

Fünf Medikamente dienten der Behandlung seltener Erkrankungen, etwa der Stoffwechselstörung Phenylketonurie oder der Autoimmunkrankheit Muckle-Wells-Syndrom. Als selten gelten Krankheiten, wenn weniger als einer von 2.000 EU-Bürgern daran leidet. Sechs der neuen Präparate enthalten monoklonale Antikörper. Diese biotechnisch hergestellten Wirkstoffe sind natürlichen Abwehrmolekülen des Immunsystems nachempfunden. Einer der neuen Antikörper vernichtet bestimmte Krebszellen auf innovative Weise, indem er sie gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Immunzellen verbindet.

Zudem haben die Hersteller 19 neue Präparate herausgebracht, bei denen bewährte Wirkstoffe auf neue Weise zum Einsatz kommen: So wirkt ein starkes Schmerzmittel nun in Form eines Nasensprays schon binnen weniger Minuten. Ein neuer Impfstoff auf Basis von Varizellen-Viren bietet erstmals Schutz vor Gürtelrose (statt wie bisherige Varizellen-Impfstoffe vor Windpocken). Gegen Bluthochdruck, Diabetes und Asthma kamen Präparate mit kombinierten Wirkstoffen heraus, die bisher einzeln eingenommen werden mussten. Ein weiteres HIV-Medikament ist nun kindgerecht als Trinklösung verfügbar.

Für jedes neue Medikament mussten die Pharmaunternehmen im Schnitt zwölf Jahre forschen und entwickeln und dafür 800 Millionen US-Dollar aufwenden. Patienten haben davon allerdings nur dann etwas, „wenn die neuen Medikamente sie auch erreichen“, sagte Yzer.

Krankenkassen
AOK-Arzneirabattverträge: Weitere Zuschläge für 2010 bis 2012 erteilt 24.12.2009
BERLIN – Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) haben mehr als drei Monate vor dem geplanten Start der neuen Rabattvertragsserie – für die Jahre 2010 bis 2012 – für fast alle der 87 ausgeschriebenen Wirkstoffe Vereinbarungen abgeschlossen. Damit startet die Abgabe der Rabattvertragsarzneien am 1. April 2010 wie geplant mit mindestens 76 Substanzen. Das teilte der AOK-Bundesverband am (gestrigen) Mittwoch mit. Insgesamt wurden weitere 344 Einzelverträge für 69 Wirkstoffe in den fünf Gebietslosen geschlossen.

Zudem verwies die Kasse darauf, dass die bislang übliche Klagewelle pharmazeutischer Hersteller ausblieb. Dies lasse darauf schließen, dass sich das Ausschreibungsverfahren etabliert habe. Lediglich für drei Wirkstoffe können der Kasse zufolge derzeit auf Grund von Nachprüfungsverfahren noch keine Zuschläge erteilt werden. Für sieben Wirkstoffe erhielt die AOK „keine zuschlagsfähigen“ Angebote, sie bleiben daher in der neuen Rabattrunde vorerst unberücksichtigt. An der europaweiten Ausschreibung hatten sich insgesamt 90 Bieter- und Bietergemeinschaften beteiligt.

Influenza A/H1N1
Influenzapandemie - Überarbeitete Handlungsempfehlungen zu Schutzmaßnahmen in der Apotheke 23.12.2009
Die zusammen mit der BGW erstellte Handlungsempfehlung der Bundesapothekerkammer zum Thema "Empfehlungen zu Schutzmaßnahmen in Apotheken während einer Influenzapandemie" sind überarbeitet worden. Das Dokument steht zum Download als word- und pdf-Datei auf der ABDA-Homepage unter

www.abda.de/influenzapandemie100.html

bereit.

Krankenkassen
Kassenabschlag: GKV erwägt offenbar Widerspruch 23.12.2009
BERLIN – Die Entscheidung der Schiedsstelle, wonach der Kassenrabatt für verschreibungspflichtige Fertigarzneimittel von aktuell 2,30 auf 1,75 Euro pro Packung abgesenkt werden soll, wurde vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit „Bedauern“ zur Kenntnis genommen. Ein Verbandssprecher verwies darauf, dass diese Entscheidung die Kassen zusätzlich mit Ausgaben in Höhe von 330 Millionen Euro belasten würde. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich schwierigen Situation habe man wenig Verständnis dafür, „dass die Einkommen der Apotheker aus den Portemonnaies der Beitragszahler erhöht werden“. Der Spitzenverband schließt dem Sprecher zufolge nicht aus, dass man gegen die Entscheidung der Schiedsstelle Widerspruch einlegt.

Gesundheitsvorsorge
Gesundheitspreis 2010 der Stiftung Rufzeichen Gesundheit 22.12.2009

Gründer der Stiftung Rufzeichen Gesundheit ist Rolf Becker, der sich seit vielen Jahren für eine aktive Gesundheitsvorsorge engagiert. Auch im kommenden Jahr wird der Gesundheitspreis der Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! wieder ausgeschrieben. Für den mit 25.000 Euro dotierten, jährlich verliehenen Preis können sich Einzelpersonen, Projektgruppen  und Institutionen  bis zum 26. Februar 2010 bewerben oder vorgeschlagen werden.

 

In diesem Jahr wird der Preis für Arbeiten zum Thema „Metabolisches Syndrom“ vergeben. Der Begriff bezeichnet das gefährliche Zusammentreffen der vier Risikofaktoren Übergewicht, Bluthochdruck, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen und wird auch das „Tödliche Quartett“ genannt.

 

Eine auszeichnungswürdige Leistung muss einen wissenschaftlichen Ansatz aufweisen und praxisorientiert sein. Sie soll Modellcharakter haben, zeitlich aktuell sein und der besseren Prävention, Diagnostik, Therapie oder Nachsorge von Patienten mit Krankheiten aus dem Problemfeld Metabolisches Syndrom dienen. Der Preisträger wird vom wissenschaftlichen Beirat der Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! unter den eingegangenen Bewerbungen  ausgewählt. Alle Informationen zu den Bewerbungsmodalitäten finden Sie unter

www.stiftung-rufzeichen-gesundheit.de.

 


Apotheken
Kassenabschlag soll sinken: Statt 2,30 nur noch 1,75 Euro 22.12.2009
BERLIN – Nach etlichen Verzögerungen hat die Schiedsstelle entschieden: Der Kassenabschlag, den die Apotheken an die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) abzuführen haben, soll von 2,30 Euro auf 1,75 Euro pro Arzneimittelpackung gesenkt werden. Diese Entscheidung würde Deutschlands Apotheken rückwirkend für 2009 um rund 314 Millionen Euro entlasten (Basis: 517 Millionen AM-Packungen). Das ergab eine Ad-hoc-Rechnung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Das Geld ist allerdings noch nicht sicher. Grund: Die GKV kann gegen diese Entscheidung Einspruch einlegen.

Die Verhandlungspartner, der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Spitzenverband der GKV, waren vor einem Jahr (mit einer Absenkung um 60 Cent auf 1,70 Euro) bereits zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Begründung: Mit der Senkung des Abschlags solle insbesondere der Mehraufwand honoriert werden, den die Rabattverträge verursachen. Aufgrund einer Intervention des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) wurde die Einigung letztendlich nicht besiegelt.

Seine damaligen Vorbehalte hat das BMG-Referat Arzneimittelversorgung erst vor wenigen Tagen in einem Brief an die Schiedsstelle erneuert (wir berichteten). Aus dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz lasse sich, so der Briefschreiber, für die Apotheken kein pauschaler Anspruch auf Kostendeckung ableiten. Sofern Rabattverträge einen zusätzlichen Arbeitsaufwand verursachten, sei dieser kassenindividuell bedingt und entsprechend auszuhandeln. Wie das BMG auf den Schiedsspruch reagiert (obwohl es formal nicht involviert ist), bleibt abzuwarten.

Politik
Gesundheitsminister stoppt elektronisches Rezept 21.12.2009
HANNOVER – Die Bundesregierung hält an der Einführung der neuen Krankenversichertenkarte mit Lichtbild fest – allerdings nur in einer abgespeckten Version. Das betonte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Rösler erklärte explizit, dass damit der Plan gestoppt sei, mit Hilfe der Karte elektronische Rezepte abzuwickeln oder elektronische Patientenakten anzulegen.

„Ich möchte, dass mir die Industrie erst einmal nachweist, dass die gespeicherten Daten technisch sicher sind“, begründete Rösler in dem Gespräch mit der Zeitung sein Vorgehen. Zugleich ließ er wissen, dass die Industrie auf der Computer-Messe CeBIT 2010 (sie findet vom 2. bis 6. März statt) eine neue Karte vorstellen will.

Urteil
Doc Morris hatte keinen Anspruch auf Herstellerrabatt 18.12.2009
KASSEL – Erneute Pleite für die Versandhandlung DocMorris: Das Bundessozialgericht (BSG) sprach am (gestrigen) Donnerstag auch in einem zweiten Verfahren den Niederländern den Anspruch auf Rückerstattung des sogenannten Herstellerrabatts ab. Diesmal hatte die Tochter des Arzneihandelskonzerns Celesio, zu dem auch die Pharmagroßhandlung Gehe gehört, AWD Pharma auf Rückzahlung des in § 130a Sozialgesetzbuch (SGB) V geregelten Rabatts verklagt. Gegen die erste BSG-Entscheidung aus dem Jahr 2008 (zugunsten von Galderma Laboratorium) hat DocMorris bereits Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt.

Um eine Rückerstattung der Rabatte von den Herstellern verlangen zu können, so der 3. BSG-Senat, hätten die Niederländer dem Rahmenvertrag nach § 129 SGB V beitreten oder sich durch eigenständige Verträge in das Sachleistungssystem der gesetzlichen Krankenversicherungen einbeziehen lassen müssen. Anders gebe es für „für die Anwendung der Erstattungsreglung des § 130 SGB V keinen Raum“. Im Gegensatz zu den Vertretern der Klägerin stellten die Richter in Kassel ausdrücklich fest, dass diese Bedingungen kein europäisches Recht verletzten.

Service
Zuzahlungsbefreiungen laufen zum Jahresende aus 17.12.2009
BERLIN – Bestehende Zuzahlungsbefreiungen für Arzneimittel laufen mit Ende des Kalenderjahres 2009 aus. Gesetzlich versicherte Patienten sollten sich deshalb rechtzeitig bei ihren Krankenkassen über Zuzahlungsbefreiungen für 2010 erkundigen. Darauf weist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hin. Nur bei Vorlage eines Befreiungsbescheids oder einem ärztlichen Vermerk auf dem Rezept muss in der Apotheke keine gesetzliche Zuzahlung für Arzneimittel geleistet werden. Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind allerdings generell zuzahlungsbefreit.

Die persönliche Belastungsgrenze lässt sich mithilfe des Zuzahlungsbefreiungsrechners im Internet auf Aponet.de ermitteln. Nach Erreichen dieser Belastungsgrenze von zwei Prozent des Jahresbruttoeinkommens (ein Prozent bei chronisch kranken Menschen) können sich Versicherte befreien lassen. Einige Krankenkassen bieten diesen Service schon jetzt für 2010 an: Dafür infrage kommende Patienten zahlen die errechnete Belastungsgrenze dann als Vorauszahlung.